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Begrifflichkeiten

Jetzt habe ich endlich mal wieder Zeit und auch Lust, einen neuen Post zu schreiben. Es soll um ein Thema gehen, das mir schon länger im Kopf herumschwirrt und dabei immer wieder mal um neue Aspekte bereichert wird. Eigentlich ist das Wort "Thema" aber fast schon übertrieben, denn es handelt sich eigentlich nur um einen Begriff. Und zwar diesen: "community".

Das Online-Oxford Dictionary definiert das Substantiv community folgendermaßen: "A group of people living in the same place or having a particular characteristic in common". Eine virtual community ist laut der gleichen Quelle "a community of people sharing common interests, ideas, and feelings over the Internet". Hätten wir das schonmal geklärt. Wie wird der Begriff aber im Zusammenhang mit YouTube, von YouTubern und ihren Zuschauern benutzt? Ich denke, die Sache mit den gemeinsamen Interessen ist relativ klar, auch wenn das Interesse sich in einigen Fällen rein auf die Person des jeweiligen YouTubers beschränkt, die alle seine Zuschauer, aus welchen Gründen auch immer, gut oder zumindest für den Augenblick interessant finden. An dem Verb "to share" kann man sich allerdings schon stoßen, wenn man dieses im Internet-Sinne verwendet. Denn in sozialen Netzwerken wird unter "sharing" oder "Teilen" ja verstanden, dass man anderen mitteilt, was man denkt, mag, nicht mag und so weiter. Nur ein Bruchteil der Zuschauer teilt seine Interessen, Ideen und/oder Gefühle zu einem Video mit anderen in Form eines Kommentars oder auch nur einer Bewertung. Und selbst, wenn sich jemand die Mühe macht, einen Kommentar zu verfassen, ist dieser doch nur in den seltensten Fällen aussagekräftig genug, um zu der Vorstellung eines geteilten Gefühls zu passen. Man könnte also an dieser Stelle schon hinterfragen, ob im YouTube-Kontext überhaupt von einer community gesprochen werden kann. Auf der anderen Seite kann man besagtes Verb aber auch anders verstehen und annehmen, dass allein die Tatsache, dass jemand einen YouTuber abonniert hat, schon ein bestimmtes Interesse oder Gefühl ausdrückt, das von anderen Abonnenten durchaus geteilt wird, selbst wenn diese Personen niemals miteinander in Kontakt kommen und über den YouTuber oder seine Videos sprechen. Ein weiteres begriffliches Problem: Kann man überhaupt davon sprechen, dass jeder YouTuber seine eigene community hat oder gibt es nicht vielmehr DIE community auf YouTube im Gesamten? Oder vielleicht sind ja alle Internet-User der Welt insgesamt eine einzige, riesige community, die sich nicht in kleinere Gruppen aufspalten lässt? Ganz so weit würde ich nicht gehen, aber man sollte mal darüber nachdenken.

Ich verstehe aus Zuschauersicht sehr gut, was das community-Gefühl ausmacht. Wenn ich sehe, dass ein Video, das ich gut finde, schon von tausend oder mehr anderen einen "Daumen hoch" bekommen hat, dann bestätigt das auf jeden Fall schonmal, dass ich keinen total abartigen Geschmack habe, den keiner verstehen kann. Damit kann man schon zufrieden sein. Man kann aber auch noch weiter gehen und sich denken: Richtig toll, dass der YouTuber, den ich mag, so viel Unterstützung bekommt und dass es da draußen noch x andere gibt, die sich für das Gleiche begeistern wie ich selbst. Ich glaube, da kann man sich sehr schnell mit Tausenden von fremden Menschen verbunden fühlen. In dem Moment, in dem man ein Video positiv bewertet oder einen netten Kommentar verfasst, definiert man sich ja im gewissen Sinne - jedenfalls für die Online-Welt - über genau diese Begeisterung. Genau so tun das auch andere und dann ist man eben Bestandteil einer community. Aber ist man das wirklich? Ist die community nur der Teil der Zuschauer, der ein Video gut findet und das auch kundtut? Nach dieser Definition hätte ja jedes Video eine andere community, zu der ein Zuschauer mal dazugehört, mal nicht. Oder sind die Abonnenten die community? Oder ist man vielleicht erst dann ein Teil selbiger, wenn man dem betreffenden YouTuber auch auf Twitter und anderen Plattformen folgt? Man merkt, das ist gar nicht so einfach. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob es wirklich wichtig ist, diesen Begriff korrekt zu definieren, und die Antwort darauf lautet sehr wahrscheinlich "Nein", aber ein Grundverständnis dafür, dass dieser Begriff sich nicht ganz leicht erklären lässt, ist wichtig für weitere Überlegungen zur Verwendung desselben.

Während man als Zuschauer nicht viel braucht, um stolz von sich selbst zu sagen: "Ich bin Teil dieser community", stellt sich das Ganze aus Sicht der YouTuber vermutlich ganz anders dar. Ich bin unter anderem deshalb auf dieses Thema gekommen, weil es vor einigen Wochen mal eine ganze Welle von Statements verschiedener YouTuber gab, die sich darüber aufgeregt haben, dass viele andere YouTuber - vor allem auf Twitter - immer wieder übertriebene "Liebesbekundungen" an ihre community veröffentlichen oder veröffentlicht haben. Ich denke, ich muss an dieser Stelle nicht darüber schreiben, dass das Wort "Liebe" so oder so vollkommen fehl am Platz ist, allein schon deshalb, weil die YouTuber maximal einen sehr kleinen Anteil ihrer Abonnenten gut genug kennen, um so etwas wie Liebe für sie empfinden zu können. Auf der anderen Seite ist es aus meiner Sicht aber auch schon fast selbstverständlich, dass ein YouTuber sich bewusst ist, wem er seinen Erfolg hauptsächlich zu verdanken hat, und dass mehrere Hunderttausend Abonnenten oder mehr eine unglaubliche Menge von Menschen und nicht etwa eine bloße Zahl bedeutet. Es geht also um eine gesunde Balance zwischen Dankbarkeit, die man ruhig auch mal äußern kann, und einer Art professioneller Distanz. Die meisten der YouTuber, die ich verfolge, kriegen genau das ziemlich gut hin, soweit ich das beurteilen kann. Trotzdem sprechen viele von ihnen immer wieder mal von "ihrer" community.

Man muss nur mal einen simplen Vergleich anstellen, um zu erkennen, dass der Begriff der community im Zusammenhang mit YouTube offensichtlich anders verwendet wird als in anderen Bereichen. Wenn zum Beispiel eine bekannte Band eine Facebook-Fanseite betreibt, würde sie vermutlich die Leute, die diese Seite geliked haben, nicht als ihre community bezeichnen. Was vermutlich ganz einfach daran liegt, dass es sich bei den Bandmitgliedern nicht um sogenannte Internetpersönlichkeiten handelt. Vielmehr ist die Facebook-Fanseite lediglich eine Art kleines Extra, ein Zusatz zu der Musik, den Konzerten und dem Merchandise, ein Informationskanal, den man als Band nutzen kann, aber nicht muss, und den vor allem auch die Fans nicht nutzen müssen, um die eigentliche Leistung der Band - die Musik - genießen zu können und die Band zu unterstützen. Würde die Band überhaupt irgendwie von einer community sprechen, wären damit vermutlich all diejenigen Leute gemeint, die ihre Musik - in welchem Format auch immer - gerne hören, ihre Konzerte besuchen, ihre T-Shirts tragen und so weiter. Klar. Ein YouTuber aber erbringt und verbreitet seine hauptsächliche Leistung (wenn man mal so trocken wirtschaftlich sprechen möchte), für die er bekannt ist, über das Internet, ohne das ihn vermutlich kein Schwein kennen würde. Natürlich kann diese Leistung ähnliche Nebeneffekte haben wie die einer Band, nämlich, wenn die Leute Merchandise-Produkte kaufen, zu Veranstaltungen wie den Videodays oder gar zu den Live-Auftritten einiger YouTuber gehen. Zuallererst einmal entsteht um einen YouTuber herum aber eine virtuelle community, bei der es gut möglich ist, dass sie sich nie in irgendeiner Form ins reale Leben übertragen wird. Ich denke, ein YouTuber wird seine Twitter-Follower und die Leute, die ihn auf Facebook liken, eher als Teil seiner community ansehen als von einer separaten Twitter community oder einer Facebook community zu sprechen. Denn es ist ja ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand einem YouTuber auf Twitter folgt, obwohl er noch nie eines seiner Videos gesehen hat.

Wenn ein YouTuber von "seiner" community spricht, stört mich das allein schon deshalb, weil sich die communities einzelner YouTuber stark überschneiden und sich deshalb nicht abgrenzen lassen. Das ist in vielen Fällen eigentlich ziemlich wurscht. Ich selbst bin, wenn man denn so sprechen will, zum Beispiel gleichzeitig ein Teil von Dners und von Izzis community. Und von Taddls und von Ardys. Kein Ding, das ist fast schon logisch. Aber wie sähe es aus, wenn ich gleichzeitig noch Abonnent und damit nach gängiger Definition Teil der community eines YouTubers wäre, mit dem einer der hier als Beispiel genannten überhaupt nicht klarkommt, vielleicht sogar persönlichen Streit hat? Dafür kann ich jetzt kein konkretes Beispiel nennen und der "Beef" auf YouTube ist ein Thema für sich, aber die Frage, die aus diesem Gedankenexperiment resultiert, ist doch, etwas überspitzt ausgedrückt: wäre ich im Falle eines solchen Streits als Abonnent von YouTuber B noch ein genau so "wertvoller" Bestandteil der community von YouTuber A wie jemand, der YouTuber B nicht abonniert hat? Natürlich kommt es hierbei sehr stark auf das Konkurrenzdenken der betroffenen YouTuber an. Aber sollte YouTuber A ein Video veröffentlichen, in dem er über YouTuber B herzieht und ich als Abonennt von BEIDEN würde einen lobenden Kommentar dazu verfassen, was sagt das dann über meine Loyalität zu YouTuber B und damit meine Zugehörigkeit zu dessen community aus? Ich weiß, das klingt alles gleichzeitig überdramatisiert und vollkommen banal, zumal es vielen YouTubern wahrscheinlich ziemlich egal ist, was ihre Abonnenten sonst noch so treiben. Aber es zeigt doch, finde ich, wie kompliziert sich die ganze community-Sache gestaltet.

Noch eine Frage: ist ein YouTuber Teil seiner eigenen community? Wenn man sich nochmal die Oxford-Definition anguckt, wäre es ziemlich traurig, wenn man darauf mit "Nein" antworten würde, denn das würde ja bedeuten, dass der YouTuber keine gemeinsamen Interessen, Ideen und Gefühle mit anderen teilt, sprich in letzter Konsequenz: dass er seine eigenen Videos nicht gut findet. Über einige wird zwar immer wieder behauptet, dass sie ihre Videos nur (noch) des Geldes wegen machen und sich mit den Inhalten gar nicht (mehr) identifizieren können, aber das will ich niemandem unterstellen. Aber obwohl das in der Definition mit keinem Wort erwähnt wird, denke ich doch, dass eines der Charakteristika einer community eine gewisse Gleichberechtigung der Zugehörigen ist. Jedenfalls in der Theorie. Wenn es bei einer virtuellen community darum geht, dass Ideen, Interessen und Gefühle geteilt werden, dann muss doch auch jeder die gleichen Möglichkeiten haben, genau dies zu tun. Die Abonnenten oder Zuschauer eines YouTube-Kanals sind aber nicht gleichberechtigt mit der Person, die die Inhalte auf diesem Kanal erstellt. Und das sollen sie auch gar nicht sein, denn über die Art der Videos und den Uploadzeitpunkt entscheidet zurecht einzig und allein der Kanalbetreiber, also der YouTuber, der damit vielmehr der Ausgangs- oder Mittelpunkt der community ist und nicht einfach nur ein Bestandteil auf der gleichen Ebene wie ich als einer von - bespielsweise - einer Million Abonnenten.

Wenn ich mir so durchlese, was ich jetzt geschrieben habe, kommt mir das alles etwas wirr und vor allem komplett irrelevant vor. Aber das schwirrte mir eben so im Kopf herum und ich dachte, ich schreibe es mal auf. Schadet ja nicht, zumal diesen Blog eh keiner liest. Ich glaube, der Begriff der community hat sich auf YouTube und auch auf anderen Plattformen so durchgesetzt, weil man als Mensch irgendwie immer das Bedürfnis hat, den Dingen einen Namen zu geben. Was man davon letztendlich hat, sei mal dahingestellt. Und ich verstehe auch, dass YouTuber lieber von einer community als von "Fans" sprechen, weil letzterer Begriff wieder ein gewisses Star-Dasein impliziert, das eine Problematik mit sich bringt, über die ich ja auch schon geschrieben habe. Es macht für mich keinen wirklichen Unterschied, ob ich, wenn ich ein Video schaue, das Gefühl habe, Teil einer community zu sein oder auch nicht. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man Begriffe, so etabliert sie auch sein mögen, ruhig mal hinterfragen kann.
1.4.15 12:25
 
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