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Wenn man keine Ahnung hat ...

... einfach mal die Klappe halten. Das habe ich mir in der letzten Zeit zwei Mal gedacht, als ich Artikel zum Thema YouTube in der Presse las. Ich finde es grundsätzlich sehr positiv, wenn die "traditionellen" Medien sich mit YouTube beschäftigen. Gerade in der Generation der typischen Zeitungsleser (ich denke da zum Beispiel an meine Eltern, die Anfang/Mitte 50 sind) gibt es sicherlich noch eine ganze Menge Leute, die es erstaunen wird, zu lesen, dass man mit YouTube-Videos Geld verdienen kann und dass dieses Medium für Jugendliche heutzutage ziemlich wichtig oder geradezu unverzichtbar geworden ist. Ich denke, dass es wichtig ist, diesen Trend nicht zu ignorieren.

Sowas kann aber schnell ins Negative umschlagen, wenn in diesen Medien Dinge verbreitet werden, die nicht oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Wenn man ganz allgemein das Gefühl hat, dass da ein Journalist den Auftrag bekommen hat, etwas über YouTube zu schreiben, sich dann aber nicht richtig oder nicht ausreichend informiert hat. Ich kenne genug Print-Journalisten persönlich, um zu wissen, dass häufig keine Zeit für wirklich ausführliche Recherchen da ist, aber ich denke, gerade in den Redaktionen wirklich großer Zeitungen/Nachrichtenmagazine sollte es doch mindestens eine etwas jüngere und generell internetaffine Person geben, die wenigstens grob schonmal etwas von der YouTube-Welt mitbekommen hat oder sich zumindest schnell in dieses Thema einarbeiten kann. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, gibt es Fehler, die sich eindeutig vermeiden lassen, wenn man sich nach dem Verfassen eines Artikels nur ein paar Minuten Zeit nimmt, um diesen noch einmal zu überfliegen. Die Journalisten, die ich kenne, legen ziemlich viel Wert darauf, dass unter ihrem Namen nichts veröffentlicht wird, was sie nicht wenigstens grob korrekturgelesen haben, so dass mich die diversen Fehler in den beiden Artikeln, um die es mir hier geht, doch ziemlich erstaunen.

Die ganze #Freiheit-Geschichte hat einige Zeitungen und Zeitschriften dazu veranlasst, sich mal wieder (oder auch zum ersten Mal) mit dem Phänomen YouTube zu befassen. So auch die Lokalzeitung in der Region, in der meine Eltern wohnen. Darin gab es vor einigen Tagen einen relativ langen Artikel über das entscheidende Video von Simon aka ungespielt. Dabei war auch ein Bild von ihm, in der Bildunterschrift wurde sein Name korrekt angegeben. Im Text allerdings hat man ihn dann direkt im ersten Satz als "Sebastian Unge" bezeichnet. Ich frage mich wirklich, wie sowas passieren kann, zumal im weiteren Text dann wieder von "Simon" die Rede war. Man kommt nicht durch einen einfachen Tippfehler von "Simon" zu "Sebastian". Ich weiß, dass solche Dinge passieren, wenn man sich nicht zu 100 Prozent auf das Schreiben konzentriert, aber es sollte einem doch am Ende auffallen, ganz abgesehen davon, dass es doch wünschenswert ist, dass ein Journalist sich auf seine Arbeit tatsächlich konzentriert. Erstaunlicherweise gab es zu dem Artikel auf der Homepage der Zeitung bisher noch keinen einzigen Kommentar, was man vielleicht als ein weiteres Zeichen dafür ansehen kann, dass junge Leute keine Zeitung lesen. Es kann aber auch damit zusammenhängen, dass der Artikel an Silvester erschien, also an einem Tag, an dem die Leute vielleicht einfach Anderes zu tun hatten. Interessant finde ich aber auch, dass der gleiche Artikel in der Online-Version der Zeitung bereits einen Tag vorher erschienen ist, allerdings mit einem anderen Titel und einer Ergänzung um ein paar allgemeine Dinge zum Thema Entwicklung der YouTube-Szene. In diesem Text wird Simon von Anfang an korrekt benannt, was meine Verwunderung über den falschen Namen in dem gedruckten Artikel vom nächsten Tag nur noch größer macht. Aber das nur am Rande.

Das mit dem falschen Vornamen ist ein dummer und peinlicher Fehler, der allerdings noch nicht direkt den Schluss zulässt, dass die Zeitung im Allgemeinen oder auch nur der betreffende Journalist im Speziellen sich nicht vernünftig informiert oder sich gar noch nie zuvor mit YouTube beschäftigt hat. Das wird aber doch deutlich, wenn man den Artikel genauer liest. Zuerst einmal wird da ohne jede beweiskräftige Grundlage das Gerücht verbreitet, dass Simon mit seinen Videos im Monat eine mittlere fünfstellige Summe verdienen würde. Es ist nichts Neues, dass über den Verdienst von YouTubern immer wieder gemunkelt wird und dass dabei meist Summen genannt werden, die ziemlich aus der Luft gegriffen scheinen und eigentlich nichts aussagen, außer dass derjenige, der diese Gerüchte in die Welt setzt, einen ziemlich starken Neid auf die betreffenden YouTuber verspürt. Eine mittlere fünfstellige Summe, das bedeutet ein paar Zehntausend Euro, und das jeden Monat. Wenn ich das lese, möchte ich den Journalisten einfach nur schütteln und fragen: Hallo, glaubst du das wirklich? Natürlich ist auch mir bewusst, dass viele YouTuber, deren Videos ich mir fast täglich ansehe, im Vergleich zu den meisten anderen Leuten in ihrem Alter ziemlich gut verdienen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht zu denen gehöre, die glauben, dass dieses Geld super leicht verdient ist, kann ich mir ganz einfach nicht vorstellen, dass jemand wie Simon so leben und sich verhalten würde, wie er es offensichtlich tut, wenn er tatsächlich soooo viel verdienen würde. Aber lassen wir das, das führt zu weit und vor allem zu weit weg vom eigentlichen Thema. Außerdem hat der Journalist sich ja immerhin insofern korrekt verhalten, als er betont hat, dass es sich bei dieser Summe lediglich um ein Gerücht handelt (er hat allerdings auch nicht versucht, dieses zu widerlegen).

Am meisten aufgeregt an dem Artikel hat mich etwas, was dem Leser in der Online-Version (bewusst?) nicht gezeigt wird. Unter dem Bild von Simon, das abgedruckt wurde, stand, dass er in dem Video das Geschäftsmodell von YouTube kritisiere. Das ist ja so nicht richtig und zeugt aus meiner Sicht nun wirklich von unzureichender Auseinandersetzung mit dem Thema. Simon ist doch nicht angetreten, grundsätzlich infrage zu stellen, ob es gut oder schlecht ist, dass YouTube über Werbung funktioniert. Und dass YouTuber ihr Geld hauptsächlich mit der Werbung verdienen, die vor ihre Videos geschaltet wird. Er wäre auch nicht besonders schlau von ihm, das zu tun, denn dieses System sichert ihm nun mal den Lebensstandard, den er jetzt hat und den er selbst als gut bezeichnet. Es geht ihm um Netzwerke, aber noch nicht einmal das stimmt wirklich, denn es geht ihm ausschließlich um Mediakraft oder, um noch genauer zu sein, um das Verhalten bestimmter Teile dieses Unternehmens ihm und ein paar anderen, nicht namentlich genannten YouTubern gegenüber. In besagtem Artikel wird das auch ziemlich korrekt wiedergegeben, aber diese Bildunterschrift ist ganz großer Quatsch. Und auch das ist ein Fehler, der sich vermeiden lässt. Nun weiß ich, dass nicht immer der Journalist, der den Artikel geschrieben hat, auch für die Bildunterschrift zuständig ist, die macht häufig ein Layouter, in einigen Fällen ist anfangs noch nicht einmal klar, ob es überhaupt ein Bild zu dem Artikel geben wird und, wenn ja, welches. Aber auch hier hätte ein ganz grobes Überfliegen des Textes gereicht, um die Bildunterschrift zu korrigieren. Ansonsten hätte man es sich auch sehr leicht machen und nur Simons Namen und Beruf angeben können oder etwas Ähnliches. Damit hätte man das Problem ganz simpel umgangen.

Das war aber, wie schon angedeutet, nicht das einzige Mal, dass ich mich in der letzten Zeit über einen Presseartikel zum Thema YouTube geärgert habe. Da war auch noch dieser recht lange Text im "Spiegel" vom 29.12.2014. Zunächst einmal finde ich es immer wieder sehr witzig, wenn in den konventionellen Medien heutzutage die Rede davon ist, dass YouTube auf dem besten Wege sei, das Fernsehen zu ersetzen oder zumindest zu revolutionieren. Das kann ich nur belächeln, denn jeder, der sich wenigstens oberflächlich mit YouTube beschäftigt, weiß, dass das nun wirklich keine ganz neue Entwicklung mehr ist. Solche Formulierungen wirken immer so, als hätten die Macher der klassischen Medien das jetzt erst mitbekommen und wären komplett erstaunt und auch ein bisschen ratlos. Darüber hinaus kann man natürlich trefflich darüber diskutieren, ob YouTube (oder eher Webvideo im Allgemeinen) tatsächlich eines Tages das Fernsehen ersetzen wird, aber darauf will ich jetzt hier nicht genauer eingehen. Der "Spiegel" geht sogar so weit, die Vernichtung des Fernsehens als klares Ziel des Unternehmens YouTube zu bezeichnen. Klar, dem gelangweilten Wutbürger in Deutschlands Wohnzimmern muss ja immer wieder Anlass gegeben werden, sich aufzuregen und eine neue Apokalypse am Horizont zu erahnen, und sei es nur in Bezug auf ein Medium oder die Art und Weise, wie die "Jugend von heute" ihr Geld verdient ... Passend dazu kann auch der "Spiegel"-Journalist es nicht lassen, ein bisschen in der YouTube-Money-Gerüchteküche rumzuköcheln. Er schreibt: "manch einer verdient [...] mehrere Millionen Dollar jährlich". Ich habe, wie schon angedeutet, keinerlei Überblick über die tatsächlichen Verdienste von YouTubern und sie sind mir auch herzlich egal, aber ich denke doch, dass der Kreis derjenigen, die tatsächlich durch YouTube schon zu Multimillionären geworden sind, sich seeeeehr in Grenzen hält. Ich verstehe ganz allgemein nicht, warum so viel darüber gesprochen wird, wieviel YouTuber vermeintlich verdienen. Manch einer sieht es ja geradezu als verwerflich an, professionelle YouTuber durch das Anschauen ihrer Videos zu unterstützen - "ihnen noch mehr Geld in den Rachen zu werfen" - und behauptet, diese Leute würden aus Nichts oder auch aus Scheiße Gold machen. Gleichzeitig stellt aber niemand infrage, warum so mancher Sportler oder Sänger minderwertiger Liedchen einen Haufen Kohle scheffelt. Das ist doch nur die Angst vor dem Unbekannten, ein Nicht-Hinnehmen-Wollen der Tatsache, dass mit dem Erfolg von YouTube auch eine neue Art des Geldverdienens sich verbreitet hat. Aber ich schweife schon wieder ab, dieses Thema verdient eindeutig einen eigenen Post, den es vielleicht auch eines Tages geben wird.

Weiter im "Spiegel"-Text: Der Autor bezeichnet in der Folge Multi-Channel-Networks als "themenorientierte Kanäle". Das ist ja nun völliger Schwachsinn! Schon der Name Multi Channel Network besagt doch eindeutig, dass es sich hierbei nicht um einen Kanal, sondern vielmehr ein Netzwerk aus vielen verschiedenen Kanälen handelt. Wie kann man das so falsch verstehen? Jeder Mensch, der der englischen Sprache auch nur im minimalsten Maße mächtig ist, sollte merken, dass da was nicht passt. Natürlich ist es wahr, dass es in den allermeisten Fällen die Netzwerke sind, die es YouTubern erlauben, wirklich professionelle Videos zu produzieren, da hat der "Spiegel" schon Recht. In dem Artikel folgen dann Beschreibungen von Studios, die Netzwerke ihren YouTubern zur Verfügung stellen, mit Greenscreens, professionellen Kameraleuten und so weiter und so fort. Aber die Kanäle, die die YouTuber irgendwann einmal gestartet haben und die häufig zu Anfang alles andere als professionell waren, bleiben doch bestehen. Natürlich gibt es Kanäle, die von einem Netzwerk ins Leben gerufen werden und in deren Videos nur YouTuber auftauchen, die bei diesem Netzwerk unter Vertrag sind, aber ohne die vielen einzelnen Kanäle, die über die Jahre gewachsen sind und sich teilweise auch schon ohne gemeinsames Netzwerk über Crosspromo und andere Maßnahmen vergrößert haben, würde es diese netzwerkgeführten Kanäle doch gar nicht geben. Zum Beispiel hätte Mediakraft "Sendertime" doch nie so groß aufziehen können, wenn die YouTuber, die man jetzt in den Videos auf dem Kanal sieht, nicht schon längst vorhanden gewesen wären, um das mal etwas versachlicht auszudrücken. Hier wurde beim "Spiegel" wirklich schlecht recherchiert und gar nicht erst versucht, das System YouTube im Ganzen zu durchschauen. Das ist ja auch nicht einfach, wenn man damit nicht vertraut ist, aber es geht hier ja nicht um superkomplexe Dinge, sondern um ziemlich simple Zusammenhänge wie die Verbindung von YouTubern zu Netzwerken zu YouTube im Ganzen. Ein ähnlich dummes und vermeidbares Missverständnis wie in dem Artikel der besagten Lokalzeitung also.

Im Rest des Artikels geht es zu einem großen Teil darum, dass sich Fernseh-Unternehmen wie Disney oder RTL vermehrt in YouTube-Netzwerke einkaufen, um einen Einfluss auf dieses vermeintlich bedrohliche Medium zu haben. Damit kenne ich mich zu wenig aus, um das beurteilen zu können. Dann kommt aber nochmal ein blöder Fehler. Der Journalist nennt als Beispiel für hochprofessionell hergestellte YouTube-Videos die Show "The Most Popular Girls in Schol" und schreibt, die Produktion habe 800.000 Abonnenten. Nein, lieber "Spiegel", man abonniert auf YouTube keine Shows oder Serien, sondern Kanäle. Natürlich gibt es Kanäle, auf denen nur ein einziges Format vorhanden ist und in diesem Fall heißt der Kanal ja auch "The Most Popular Girls", aber trotzdem ist die gewählte Formulierung falsch, was jedem, der sich auch nur ganz geringfügig mit YouTube auskennt, auffallen wird. Da ist wohl jemand zu sehr aufs Fernsehen und das Bewertungsmodell der Einschaltquoten für einzelne Sendung eingefahren. Was einmal mehr zeigt, wie unflexibel viele Leute sind, die nicht akzeptieren können oder wollen, dass sich die Dinge, insbesondere in der Medien- und Technikwelt, immer wieder und vor allem sehr schnell verändern.

Diese beiden Artikel sind einfach nur zwei aktuelle Beispiele für etwas, das mir schon öfter aufgefallen ist und mir sicher auch in Zukunft noch einige Male auffallen wird. Wie gesagt, ich finde es gut, dass die klassischen Medien YouTube nicht (mehr) ignorieren, aber es ist doch fraglich, ob es für irgendjemanden wirklich positiv ist, wenn dabei sowas rauskommt. Natürlich sind die hier von mir genannten Fehler nicht unglaublich gravierend, aber sie vermitteln doch einen falschen Eindruck von diesem Medium, zumindest für Leser, die sich damit kein bisschen auskennen. Deshalb finde ich: schreibt lieber gar nicht darüber als so einen Mist. Oder recherchiert besser. Oder lasst eure Artikel zumindest nochmal korrekturlesen. Oder am besten beides.
6.1.15 13:08
 
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