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Kleine Anmerkung zum letzten Post

Ich habe den letzten Post zu einer Zeit geschrieben, als die ganze #Freiheit-Sache gerade erst anfing. Deshalb könnte das, was ich geschrieben habe, aus jetziger Sicht ein bisschen seltsam wirken. Erst nach Veröffentlichung des Posts habe ich gesehen, was auf Twiter eigentlich gerade so abging in Sachen deutsche YouTube-Szene und vor allem in Bezug auf Netzwerke. Ich muss zugeben, dass mich die gefühlt hunderttausend Tweets zu dem Thema, die allein auf meiner Timeline innerhalb von kurzer Zeit zusammengekommen sind, etwas überfordert und vor allem ziemlich schnell genervt haben. Jeder hat seinen Senf dazu gegeben und ich habe eine ganze Weile gebraucht, um da wirklich durchzusteigen.

Ich denke, dieses Thema wurde nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern auch in den konventionellen Medien (Presse, Radio, TV) genug diskutiert. Ich werde dazu keinen Post schreiben. Es wird allerdings im nächsten Post eine kleine Rolle spielen.
6.1.15 10:05


Pflichtbewusstsein

Okay, ich weiß, ich hab das schon mindestens einmal angesprochen, aber nie ausführlich: das Thema "YouTube als Verpflichtung?!". Nun sind mir aber in der letzten Zeit mehrere Videos und Tweets untergekommen, die damit zumindest indirekt zu tun hatten, und so hab ich beschlossen, dieser Sache jetzt mal einen Post zu widmen. Auch, weil ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, was hauptsächlich daran liegt, dass es kein Thema gab, das für mich so richtig "akut" war und mich genug beschäftigt hat, um es in einen Blogpost zu schaffen. Jetzt aber ist es mal wieder soweit. Ich kann zwar nicht genau sagen, warum es ausgerechnet jetzt um ausgerechnet dieses Thema geht, aber eigentlich ist das auch vollkommen irrelevant. Also los.

Es wurde ja viel über Netzwerke gesprochen und geschrieben in der letzten Zeit. Mir geht es aber gar nicht darum, mich in irgendeiner Weise kritisch über Netzwerke im Allgemeinen zu äußern, dazu hab ich definitiv zu wenig Ahnung. Ich weiß nicht, inwiefern sich die einzelnen Netzwerke voneinander unterscheiden und möchte mir auch nicht anmaßen, darüber zu urteilen, ob es für einen YouTuber ganz grundsätzlich sinnvoll ist, einem Netzwerk anzugehören oder nicht. Ist mir eigentlich auch relativ wurscht, solange jeder YouTuber sich für das Netzwerk entscheidet, das ihm am besten passt und ganz allgemein die für ihn gesündeste Haltung zu diesem Thema einnimmt (und auch nach außen vertritt). Da hat man als Zuschauer ja eigentlich nix mit am Hut. Mir geht's hier um Verträge, aber auch das nur im weitesten Sinne, da ich auch von der Gestaltung der Verträge zwischen Netzwerken und YouTubern keine Ahnung habe. Aber ich frag mich wirklich, was da eigentlich so drin steht. In der aktuellen Diskussion über Netzwerke ging es ja auch um die Frage, inwieweit sich die Netzwerke in den Uploadrhythmus und/oder die Videoinhalte der YouTuber einmischen. Da gab es auf der einen Seite nicht wenige Leute, die - in den meisten Fällen wahrscheinlich so ziemlich ohne jegliche Beweise - behauptet haben, die Netzwerke würden die YouTuber mehr oder weniger knebeln und über alles bestimmen (wollen). Auf der anderen Seite haben vor allem einige YouTuber selbst immer wieder betont, dass das überhaupt gar nicht der Fall sei, dass sie vollkommen ohne Einmischung selbst bestimmen könnten, was sie hochladen und wann sie es hochladen.

Auch wenn unter ebendiesen YouTubern viele waren, denen ich vertraue und von denen ich glaube, dass sie sich zu einem solchen Thema eher gar nicht äußern würden als Unwahrheiten zu verbreiten (denn sie waren keinesfalls irgendwie gezwungen, überhaupt etwas zu dieser Sache zu sagen), bin ich mir nicht so recht sicher, wie ich das einschätzen soll. Vielleicht liegt die Wahrheit ja irgendwo in der Mitte? Wenn man das Ganze mal aus Sicht der Netzwerke betrachtet, jedenfalls soweit mir das in all meiner Ahnungslosigkeit möglich ist, kann man sich doch die Frage stellen, warum ein Netzwerk einen YouTuber überhaupt unter Vertrag nehmen sollte, wenn er ihn danach doch genauso selbstbestimmt weitermachen lässt wie zuvor. Ich meine, rein wirtschaftlich gesehen ist das doch ziemlich riskant. Natürlich will ich erstmal an das Gute im Menschen - auch im Netzwerkmenschen - glauben und darauf vertrauen, dass es Netzwerken auch um die Förderung beziehungsweise Nicht-Beeinträchtigung der YouTuber geht und nicht nur um möglichst hohe Einnahmen. Aber keiner kann mir erzählen, dass es einem Netzwerk tatsächlich komplett egal ist, was "seine" YouTuber machen. Vielleicht ist sowas ja gar nicht vertraglich festgehalten, aber ich stelle es mir durchaus so vor, dass man als YouTuber durch sein Netzwerk schon zumindest freundlich darauf hingewiesen wird, dass man doch mal wieder was hochladen könnte, wenn man das lange nicht getan hat, vor allem, wenn vielleicht die Klick- und/oder Abonnentenzahlen irgendwann zu sinken beginnen. Natürlich ist sowas bei sehr großen, erfolgreichen YouTubern vielleicht nicht notwendig, da - wie auch die Statistik zeigt - die Wahrscheinlichkeit, dass viele Leute innerhalb kurzer Zeit einem solchen YouTuber abschwören, doch sehr gering ist. Hat ein YouTuber erstmal so eine Art "Kultstatus" erreicht, kann das Netzwerk vielleicht tatsächlich darauf vertrauen, dass diese Person schon immer wieder Content produzieren wird, und zwar genau den, den die Leute sehen wollen.

Aber wie gesagt, ich weiß nicht, wie die Verträge aussehen und habe auch keine Kenntnisse über die Beweggründe von Netzwerken, wenn es um die Untervertragnahme von YouTubern geht. Da könnte man sicherlich mit ein bisschen Recherche mehr rausfinden, aber es geht mir in diesem Blog ja darum, einfach rauszuhauen, was ich so denke, und solange ich hier keine Sachen als Fakten verkaufe, die ich nicht nachgeprüft hab, ist wohl alles in Ordnung. Ich kann mir halt nur nicht vorstellen, dass ein Netzwerk jemanden unterstützt, indem es ihn unter Vertrag nimmt, dann aber nicht in irgendeiner Form die Möglichkeit haben will, sich einzumischen, wenn derjenige anfängt, nicht mehr regelmäßig oder nur noch schlechte Videos zu produzieren. Schließlich bedeutet das ja auf lange Sicht auch einen Einbruch der Einnahmen des Netzwerkes. Ich möchte gerne glauben, dass die Netzwerke (wenn man sie denn überhaupt alle in einen Topf schmeißen kann) sich in die Inhalte der Videos eines YouTubers tatsächlich nicht einmischen. Aber ich fände es doch sehr erstaunlich, wenn sie zum Thema Uploadplan/-rhythmus so gar nichts sagen würden. Denn dann müsste man sich doch fragen, warum es überhaupt Netzwerke gibt, wenn diese nur geben und nicht nehmen. So einseitig kann das nicht funktionieren, sonst gäbe es mit Sicherheit nicht auch noch mehrere verschiedene Netzwerke, die untereinander um die "sichersten Einnahmequellen", also die erfolgreichsten YouTuber, konkurrieren.

Damit hab ich eigentlich schon alles gesagt, was ich zu Netzwerken sagen will und kann, aber noch nicht alles zum Thema Verpflichtung beziehungsweise Pflichtbewusstsein. Das hat allerdings indirekt auch noch mit Netzwerken zu tun. Ich hab schon öfter darüber nachgedacht, aber so richtig kam dieses Thema bei mir erst auf, als ich eins der neuesten Videos von Taddl gesehen habe. Das erste seit Langem, in dem man ihn mal wieder so richtig vor der Kamera sieht und nicht nur im kleinen Facecam-Ausschnitt in der oberen Ecke. In dem Video erzählt er von der bevorstehenden Amerika-Reise und führt seine Zuschauer zuerst ein bisschen in die Irre, indem er sagt, wegen dieser Reise kämen jetzt erstmal keine Videos. War aber nur ein Witz, in Wirklichkeit hat er ganz viel vorproduziert und plant auch Vlogs von der Reise. Die Super-Taddl-Fans waren bestimmt erleichtert, als sich das Ganze als Joke rausstellte. Ich aber war irgendwie enttäuscht. Ich hätte es wirklich mal positiv gefunden, wenn Taddl gesagt hätte: "Leute, ich bin jetzt erstmal in Amerika und Videos gibt's erst wieder, wenn ich zurück bin". Nicht, weil ich es gut gefunden hätte, eine ganze Weile nichts Neues von Taddl zu sehen, sondern weil ich der Meinung bin, dass es das gute Recht jedes YouTubers ist, einfach auch mal Urlaub zu machen, ohne sich davor eine Menge Stress durch Vorproduzieren unter Zeitdruck zu machen und auch, ohne während des Urlaubs Videos zu drehen. Letzteres hat ja zum Beispiel Izzi letzten Sommer konsequent durchgezogen, obwohl er vorher sogar mal angedeutet hatte, dass er während des privaten Italien-Urlaubs vielleicht ein paar Reisevlogs machen würde. Und? War ihm jemand böse? Nein. Jedenfalls nicht die Zuschauer, auf die Izzi wirklich Wert legt. Vermute ich zumindest.

Natürlich ist es die Entscheidung des jeweiligen YouTubers, ob er einfach so wegfahren und damit auch für eine gewisse Zeit von YouTube fernbleiben möchte oder nicht. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass Taddl seine Reisen gerne mit der Kamera festhält, allein schon, um sich später selbst mit Hilfe der Vlogs daran erinnern zu können. Ich glaube auch, dass es ihm persönlich wichtig war, vor dem Start der Reise Videos für die Zeit seiner Abwesenheit vorzuproduzieren. Aber ich vermute auch, dass die Texteinblendung in besagtem Video, die mitteilt, dass er total übermüdet sei, mit der vielen Arbeit zusammenhängt, die das Vorproduzieren ihm wahrscheinlich bereitet hat. Da stellt sich mir dann die Frage: wozu das Ganze? Wenn ein "normaler" Mensch in den Urlaub fährt, ist er eben weg, kommt nicht zur Arbeit und ist im besten Falle auch für nichts Berufliches zu erreichen, bis er nach Hause zurückkommt. Kein Problem. Auf dieses Recht bestehen wir alle. Viele YouTuber aber anscheinend nicht und ich würde wirklich gerne wissen, woran das liegt. Ist es allein die Angst, dass die Klickzahlen einbrechen, wenn man mal zwei Wochen nichts hochlädt und das auch noch vorher auf nette Art und Weise angekündigt hat? Es ist unschwer zu erkennen, dass eine solche Angst im Falle richtig großer YouTuber unberechtigt ist, zumal zwei Wochen ja nun wirklich keine Ewigkeit ist. Ist es das schlechte Gewissen den Zuschauern gegenüber oder sogar sowas wie Angst davor, dass die Zuschauer böse werden könnten? Aber, um mal bei dem Beispiel zu bleiben, gerade bei Taddl geht man doch nun wirklich davon aus, dass ihm Zuschauer, die ihn wegen einer solchen Sache gleich nicht mehr mögen oder gar mit Hater-Kommentaren zuspammen, alles andere als wichtig sind. In einer Brudicraft-Folge haben er und Ardy sich ja auch schonmal ausdrücklich darüber aufgeregt, dass es Leute gibt, die meinen, die beiden MÜSSTEN Videos machen, es sei ihre Pflicht. Nein, natürlich ist es das nicht. Und wenn es stimmt, dass die Netzwerke sich so gar nicht in das "Arbeitsleben" der YouTuber einmischen, dann kann man auch in dieser Hinsicht nicht von einer Verpflichtung sprechen.

Ich denke, ich muss nicht nochmal extra betonen, dass es bescheuert und super unverschämt ist, wenn Leute von YouTubern erwarten, dass diese täglich - oder überhaupt irgendwie regelmäßig - Videos veröffentlichen. Diese Leute sehen es ja schon geradezu als moralisch verwerflich bis verbrecherisch an, wenn ein YouTuber mal ein paar Tage nichts von sich sehen und hören lässt. Natürlich müssen YouTuber in gewissem Sinne schon zusehen, dass ihr Kanal nicht einschläft, das ist aber höchstens eine Verpflichtung sich selbst gegenüber, denn wenn der Kanal inaktiv wird, gehen irgendwann auch die Einnahmen zurück. Das ist ja im Prinzip nichts anderes, als wenn einer, der im Büro arbeitet, seinen Job kündigt und irgendwann kein Geld mehr hat. In dem Sinne sind wir alle uns selbst gegenüber verpflichtet, unseren Beruf auszuüben. Man könnte an dieser Stelle noch auf ein Thema zu sprechen kommen, dass auch immer wieder diskutiert wurde und wird, nämlich die Frage, wie anstrengend das Leben eines YouTubers eigentlich ist. Aber darüber werde ich mit Sicherheit nochmal gesondert schreiben, das würde jetzt hier zu weit führen, vor allem angesichts der Tatsache, dass dieser Post jetzt schon wieder ziemlich lang geworden ist. Worauf ich gerade eigentlich hinaus wollte, ist, dass es ja nicht nur um die Einnahmen des YouTubers geht, sondern auch um die seines Netzwerks, so dass ich mir wirklich kaum vorstellen kann, dass es dem Netzwerk vollkommen am Hintern vorbeigeht, wenn ein YouTuber wochenlang keine Videos hochlädt.

Vielleicht ist das Ganze aber auch schlicht und ergreifend nur auf Gewöhnung zurückzuführen, wie so vieles im Leben. Vielleicht ist es für YouTuber inzwischen normal, eine Reise als ein Ereignis anzusehen, das man mit der Kamera festhalten und dann auch noch mit anderen teilen sollte. Reisevlogs bedeuten in den meisten Fällen ja sicher auch eine willkommene Abwechslung zu den "alltäglichen" Videos. Im Zusammenhang mit dem Roadtr7p haben eigentlich auch alle Beteiligten mindestens einmal gesagt, dass ihnen das Vloggen trotz des Stresses durch Schneiden, Schlafmangel und so weiter viel Spaß gemacht hat. Den Roadtr7p übrigens hat Mediakraft, nebenbei bemerkt, ganz bestimmt auch nicht nur ermöglicht, um den Jungs was Gutes zu tun, sondern sicher auch, weil diese Aktion täglich neue, besondere und damit aufmerksamkeiterregende Videos bedeutete und man damit auch bisher nicht ganz so großen YouTubern - und damit letztlich auch wieder dem Netzwerk - einen Push geben konnte. Wie dem auch sei, vielleicht ist es ja auch normal für einen YouTuber, dass er sich auf eine längere Abwesenheit von seinem üblichen "Arbeitsplatz" vorbereitet, indem er Videos vorproduziert, so wie vielleicht ein Angestellter einer Firma eine automatische Abwesenheitsnotiz in seinem Mailprogramm einrichtet, bevor er in den Urlaub fährt. Und vielleicht spielt auch die Gewöhnung an das ständige Feedback durch die Community eine Rolle, das man auch im Urlaub nicht missen möchte.

Man merkt es vielleicht, ich komme mal wieder zu keiner Lösung, aber ich hab ja auch nie gesagt, dass dieser Blog irgendwelche Lösungen präsentieren soll. Ich jedenfalls finde es total unmöglich, das Produzieren von Videos in irgendeiner Weise als die Pflicht eines YouTubers anzusehen, denn letztendlich muss derjenige doch selber wissen, ob er sein Leben auch in Zukunft diesem Medium widmen und es darüber finanzieren will oder nicht. Jeder YouTuber, der plötzlich aufhört, Videos hochzuladen, geht damit ein Risiko ein, dessen er sich bewusst sein muss. Kein Zuschauer hat ein Recht darauf, dass sein Lieblings-YouTuber ständig was Neues veröffentlicht. Der YouTuber sollte selbst entscheiden können, ob und wann er was hochlädt, ohne dass sich ein Zuschauer oder sonstwer das Recht herausnimmt, ihn darauf auch nur anzusprechen. Inwieweit YouTuber, die einem Netzwerk angehören, tatsächlich so frei entscheiden können, sei mal dahingestellt, und ich bin, wie erwähnt, durchaus gewillt, an das Gute im Menschen zu glauben. Und ebenso, wie wir wahrscheinlich nie erfahren werden, warum genau ein YouTuber sich den Stress des Vorproduzierens antut, sollte auch niemand erwarten, zu erfahren, warum genau jemand sich dazu entscheidet, das nicht zu tun. Im Grunde kann man sich als Zuschauer doch schon aufgrunddessen sehr geehrt fühlen, dass Taddl überhaupt beschlossen hat, mitzuteilen, mit wem er jetzt für wie lange wohin fährt. Denn eigentlich geht das keinen was an, es ist mitnichten seine Pflicht, seine Zuschauer über solche Dinge zu informieren.
19.12.14 17:05


Viel Diskussion, einfache Antwort

Das war ja vielleicht eine Diskussion auf YouTube, Twitter, Facebook und wo nicht sonst überall. Inzwischen ist das wieder ein bisschen abgeflaut - und zack, komme ich mit einem Post dazu um die Ecke. Weil das ja gerade noch gefehlt hatte, haha.

Also. Sind YouTuber Stars? Ich hab mir so ziemlich alles durchgelesen, angehört und angeguckt, was von Seiten verschiedener YouTuber dazu gesagt wurde. Mich hat vor allem interessiert, was sie als direkt "Betroffene" so denken. Die Zuschauersicht war natürlich um einiges komplexer, weil da einfach so wahnsinnig viel kam, einige Argumente sich immer wieder wiederholt haben, vieles unsachlich war und man ja leider nie den Leuten entgehen kann, die meinen, sich äußern zu müssen, obwohl sie kaum einen korrekten Satz auf die Reihe bekommen. Ich habe das Ganze nicht bis ins Detail verfolgt. Aber die Kommentare zu der Ramble-Folge, in der Izzi und Dner sich mit dem Thema beschäftigen, habe ich mir dann doch relativ ausführlich angeguckt (noch ein Grund, warum ich dieses Format, wie im letzten Post angesprochen, gerne mag, da wird von vielen tatsächlich vernünftig diskutiert). Und jetzt will ich auch mal meinen Senf dazu geben.

Ich finde, es gibt überhaupt keinen Grund, die Frage zu stellen, ob YouTuber Stars sind oder nicht, weil es auf diese Frage nur eine Antwort geben kann, und zwar: Ja. Natürlich sind YouTuber Stars. Jedenfalls die erfolgreichen, wobei ich da keine starre Grenze ziehen will nach dem Motto: ab 100.000 Abonnenten ist man ein Star, mit 99.999 Abonnenten aber noch nicht. Das macht keinen Sinn. Aber in der Diskussion ging es ja hauptsächlich um Personen wie Dner oder Liont, von daher denke ich, dass es gar nicht notwendig ist, jetzt genau zu definieren, wer als Star in Frage kommt. Apropos Definieren: wie definiert man einen Star? Viele haben sich wahrscheinlich schon ganz einfach an diesem Begriff gestoßen und auch ich selbst finde ihn nicht besonders toll, aber eigentlich spielt das doch gar keine Rolle, denn wenn man versucht, andere Begriffe zu bemühen, läuft es doch letztendlich auf das Gleiche hinaus. Und von daher kann man auch gleich bei dem Wort "Star" bleiben (vereinfacht das Ganze auch). Also, wie definiert man "Star"? Da gibt es sicherlich einige verschiedene Ansätze, ich würde einfach mal sagen: ein Star ist jemand, der einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, der häufig von ihm unbekannten Personen auf der Straße erkannt wird (wobei man auch die Häufigkeit nicht genau in Zahlen angeben kann), den mehr als eine Handvoll Leute für eine bestimmte Leistung schätzen und mögen, der ein gewisses Medieninteresse auf sich zieht, und der zumindest einen Teil seines Geldes mit genau der Leistung, für die er bekannt ist, verdient. So könnte man das grob ausdrücken. Und all diese Dinge treffen zweifelsfrei auf erfolgreiche YouTuber zu, wobei bei einigen noch hinzukommt, dass sie eigenes Merchandise verkaufen und/oder ab und an irgendwo auftreten.

Ich finde, da kann eigentlich niemand gegen argumentieren, jedenfalls hat mich bisher kein Gegenargument überzeugt. Viele haben gesagt, dass YouTuber weniger unnahbar und unerreichbar sind als beispielsweise bestimmte Hollywood-Schauspieler, aber auch das kann man hinterfragen. Natürlich sind die Chancen, dass ich morgen einem iBlali auf der Straße begegne, deutlich höher als dass ich Angelina Jolie über den Weg laufe. Aber das hängt natürlich immer auch davon ab, wo man wohnt. In meiner Stadt gibt es, soweit ich das weiß, keine YouTuber, die vergleichbar erfolgreich sind wie iBlali, also stehen auch hier die Chancen eher schlecht. Natürlich gibt es diverse YouTuber-Fantreffen und einige YouTuber reisen ja auch ab und an mal rum, aber grundsätzlich kann man nun wirklich nicht behaupten, dass man ständig irgendwelche YouTuber irgendwo trifft. Selbst wenn man in Köln oder Berlin wohnt nicht. Außerdem bin ich der Meinung, dass niemand, auch kein Musiker, Sportler oder Schauspieler, in solchen Sphären schwebt, dass es für mich als "normalen Menschen" nicht möglich ist, sie zu erreichen, in dem Sinne, dass ich nicht theoretisch auch eines Tages das schaffen kann, was sie schon geschafft haben. Und deshalb können YouTuber gar nicht weniger unerreichbar sein als andere Stars. Wenn man sich anguckt, was für einen Kult viele Leute um ihre Lieblings-YouTuber betreiben und welch große Rolle sie und ihre Videos im Leben vieler spielen, sieht man dann doch wirklich gar keinen Unterschied mehr zu anderen Stars. Man kann jetzt noch darüber reden, dass viele YouTuber den Kontakt zu ihren Fans über diverse Soziale Netzwerke stärker pflegen als das andere Stars tun, aber darüber hab ich ja im Zusammenhang mit der "wir sind keine Freunde"-Geschichte schon geschrieben. Die meisten YouTuber fühlen sich zwar wahrscheinlich nicht als Stars, aber das ist für mich kein Argument. Meine Mutter fühlt sich auch nicht wie über fünfzig und ist es trotzdem.

Ich bin also der Überzeugung, dass YouTuber definitiv Stars sind. Das muss ja auch gar nicht negativ gemeint sein, wenn man sich mal von dem reinen Begriff löst, der in Deutschland ja meistens im Zusammenhang mit billiger Unterhaltung (siehe Deutschland sucht den Superstar) benutzt wird. Vielleicht war für viele Leute, die sich an der Diskussion beteiligt haben, schon diese reine Begrifflichkeit der eigentliche Grund zur Aufregung. In der Diskussion wurde auch vieles vermischt. Sie wurde von vielen Leuten wohl als Gelegenheit genutzt, einfach mal ganz allgemein alles rauszulassen, was sie an der deutschen YouTube-Szene stört. Da waren die Leute, die noch nicht über die Enttäuschung hinweg sind, dass sie bei den Videodays kein Autogramm ihres Lieblings bekommen hatten. Da waren die Leute, denen YouTube viel zu kommerziell geworden ist und die sich darüber beschweren, dass YouTuber angeblich nur möglichst viel Kohle machen wollen. Da waren die Leute, die sentimental auf die "guten alten Zeiten" zurückblicken, als YouTube noch ganz anders - und zwar viel besser - war als heute. Da waren die Leute, die schlicht und einfach neidisch auf den Erfolg der YouTuber sind. Und da waren die Leute, die in der Diskussion nichts weiter sahen als einen neuen Grund, über die Bravo herzuziehen. All diese Aspekte spielen natürlich irgendwo eine Rolle, wenn man eine Antwort auf die Frage finden will, ob YouTuber als Stars bezeichnet werden können, sollen oder gar müssen. Aber vom eigentlichen Kern dieser Frage, bei dem es doch nur darum geht, ob diverse Attribute, mit denen man den Begriff "Star" definieren kann, auf YouTuber zutreffen, führen all diese Dinge doch zu weit weg. Und deshalb möchte ich auch nicht allzu genau auf sie eingehen.

Natürlich gibt es einige, die schonmal eine schlechte Erfahrung im persönlichen Umgang mit dem ein oder anderen YouTuber gemacht haben. Sei es, dass sie aufgrund schlechter Organisation bei einem Fantreffen keine Gelegenheit hatten, mit ihrem Lieblings-YouTuber zu sprechen, oder dass sie mal einem begegnet sind, der dann keine Lust auf Fotosmachen hatte und dementsprechend unfreundlich war oder wie auch immer. Dann wird dem jeweiligen YouTuber natürlich schnell eine gewisse Arroganz unterstellt, die, wenn man es besonders böse meint, daher rührt, dass derjenige einfach zu viel Geld mit seinen Videos verdient und daher völlig die Bodenhaftung verloren hat. Halte ich in den meisten Fällen für Quatsch, mag aber durchaus auf einzelne Leute zutreffen, wobei man so etwas auf keinen Fall aus einer einzigen Begegnung ableiten darf. Da spielen einfach zu viele Faktoren mit rein: Gemütslage, Stressfaktor, Ort, Wetter, Temperatur und was nicht sonst noch alles. Sehr gewundert habe ich mich außerdem darüber, wie oft im Zusammenhang mit der Star-Frage gesagt wurde, es wäre traurig, YouTuber als Stars zu bezeichnen, weil das bedeuten würde, zuzugeben, dass YouTube seinen Geheimtipp-Charakter, den es früher mal hatte, verloren hat (das ist jedenfalls meine zusammenfassende Interpretation vieler Kommentare, die in eine ähnliche Richtung gingen). Natürlich ist es heutzutage etwas ganz anderes, wenn jemand Y-Titty guckt, als es noch zu Zeiten von "Besom, der Besen" war. Es ist nichts Außergewöhnliches mehr, den Kanal zu kennen und/oder ganz allgemein regelmäßig YouTube-Videos zu gucken, jedenfalls nicht in der jüngeren Generation. Also ist YouTube wirklich kein Geheimtipp mehr, aber was ist daran schlimm? Es ist doch jedem YouTuber, der viel Zeit und Arbeit in seinen Kanal steckt, nur zu gönnen, dass er bekannter wird und dass mehr als nur ein paar Hundert seine Videos schauen. Und es ist doch auch jedem Zuschauer zu gönnen, dass er in den Genuss dieser Videos kommt. Aber anscheinend finden viele es schlimm, dass YouTuber Stars sind, weil sie selbst dann Mainstream und nichts Besonderes mehr sind. Ich bin manchmal erstaunt darüber, wieviele Dinge im Leben man eigentlich darauf zurückführen kann, dass der Mensch immer besonders sein will.

Die ganze Geschichte mit dem angeblich so wahnsinnig vielen Geld, das YouTuber scheffeln, ist so umfangreich und schwer zu durchschauen, dass es Quatsch wäre, sie jetzt hier mit reinzupacken, darüber werde ich bestimmt eines Tages nochmal gesondert schreiben. Das Einzige, was ich an dieser Stelle dazu sagen will, ist, dass ich eine Sache ziemlich kurios finde: im Zusammenhang mit diversen Hollywood-Größen hört man immer wieder solche Aussagen wie "er/sie ist zwar so bekannt und reich, aber trotzdem total auf dem Boden geblieben". Bei YouTubern dagegen heißt es oft "die Überschreitung der Eine-Million-Abonnenten-Grenze hat ihm/ihr nicht gut getan, er/sie ist jetzt total abgehoben". Während man es Schauspielern und anderen erfolgreichen Menschen also hoch anrechnet, dass sie sich ihren Reichtum und ihre Berühmtheit nicht anmerken lassen, kritisiert man YouTuber gerne dafür, dass ihre steigende Bekanntheit sie verändert. Ich glaube, das liegt ganz einfach daran, dass die großen Erfolge der YouTuber trotz allem noch immer ein sehr neues Phänomen sind und sich die Leute erst daran gewöhnen müssen, dass es nun eine weitere Art von Stars gibt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Diskussion war, wie oben schon angedeutet, die Sache mit der Bravo und der Zeitschrift "Starstube" (bei der ich mir immer noch nicht sicher bin, wie man ihren Namen ausspricht: Stars Tube wie YouTube oder Star-Schtube, lustig gemeintes Wortspiel mit "Stube"). Ich finde es schon erstaunlich, was es für einen riesigen Aufschrei gab, als diese beiden Blättchen erschienen. Mal ganz davon abgesehen, dass es schon mehr als auffällig war, wie die Bravo innerhalb kürzerster Zeit mit einem genau passenden Konkurrenzheft zu "Starstube" um die Ecke kam, finde ich das Ganze wenig überraschend. Es ist doch klar, dass die Bravo auf einen so schnell fahrenden Zug wie den Hype um diverse YouTuber aufspringt. Das lässt sich ein schwächelndes Magazin doch nicht entgehen, in der Hoffnung, damit wieder ein paar Leser neu dazu- oder zurückzugewinnen. Und die Macher von "Starstube" sahen wohl eine Marktlücke, die sie schließen wollten, wobei man natürlich bestens darüber diskutieren kann, ob die Welt wirklich auf eine solche Zeitschrift gewartet hat oder eher doch nicht. Ich kann dazu nur sagen: jeder entscheidet selbst, ob er sein Geld für diese Heftchen ausgeben will oder nicht, am besten fährt man wohl damit, die Sache ganz einfach zu ignorieren. Man hat ja auch gesehen, dass die betroffenen YouTuber selbst diese Zeitschriften gar nicht mal so negativ sehen, viele haben Gerüchte dementiert, dass die Hefte vor Falschaussagen und schlecht recherchierten "Fakten" nur so strotzen, auch wenn natürlich trotzdem noch ein paar Dinge abgedruckt wurden, die nicht der (ganzen) Wahrheit entsprechen. Aber auch das darf einen doch im Zusammenhang mit der Bravo nun wirklich nicht erstaunen. Das ist doch das, was die Leute meinen, wenn sie von "Medienkompetenz" faseln: dass man bewusst mit den Informationen umgeht, die einem vermittelt werden und nicht alles glaubt, was irgendwo geschrieben oder gesagt wird (das gilt übrigens auch für YouTube-Videos). Natürlich darf man sich nicht darauf verlassen, dass jeder junge Mensch in der Lage ist, tatsächlich so bewusst mit Medien umzugehen und es ist sicherlich nicht gerade förderlich für die junge Generation, wenn Zeitschriften falsche Informationen abdrucken, aber im Falle von "Fakten" über YouTuber kann man sich wahrscheinlich sowieso darauf verlassen, dass die potentiellen Leser, die wirklich an YouTube interessiert sind, es sowieso längst besser wissen (auch das hat die Diskussion in den Sozialen Netzen gezeigt).

Interessant fand ich auch, dass viele gesagt haben, es sei nicht richtig, wenn YouTuber in anderen Medien auftreten beziehungsweise über sich berichten lassen. Ganz nach dem Motto "Schuster, bleib bei deinen Leisten" wird anscheinend erwartet, dass ein YouTuber ganz ausschließlich YouTube macht und im Sinne einer ach-so-modernen medienkritischen Haltung alles andere von Vorneherein ablehnt. Da stellt sich doch die Frage: sollen etwa auch Autoren keine Radiointerviews geben? Ist es verwerflich, wenn Fernsehmoderatoren einer Zeitungsreportage über sich zustimmen? Es war doch schon immer ganz normal, dass Leute, die in irgendeiner Form mit einem bestimmten Medium zu tun hatten, auch in anderen Medienkanälen aufgetreten sind. Natürlich wäre es für viele Leute traurig und auch ärgerlich, wenn ihre Lieblings-YouTuber von heute auf morgen nur noch im Fernsehen zu sehen wären und dafür ihre Kanäle aufgeben würden. Auch ich selbst fände das nicht toll, wobei ich auch in diesem Fall der Meinung bin, dass jeder selbst entscheiden soll, wie er seine Karriere gestalten will, und dass es nicht zu verurteilen ist, wenn jemand die sich ihm bietenden Chancen auch in anderen Medien nutzt. Es kommt ja auch immer darauf an, ob die Auftritte in anderen Medien noch einen Zusammenhang zu der YouTube-Arbeit der jeweiligen Person haben oder nicht. Dner und ungespielt waren ja zum Beispiel genau deshalb bei SternTV, weil sie über YouTube bekannt geworden sind und die Erlebnisse bei der Longboardtour auch über diese Plattform mit ihren Zuschauern geteilt haben. Wäre das nicht der Fall, wären sie nie von RTL eingeladen worden. Und in der Sendung ging es ja auch viel darum, denjenigen Zuschauern, die mit YouTube nichts am Hut haben, ein wenig näher zu bringen, wie die Plattform funktioniert und wie es möglich ist, dass einige Leute von ihren Videos leben können. YouTube ist heutzutage eben einfach eine weitere Möglichkeit, berühmt zu werden (um das mal ganz platt und naiv auszudrücken), und wer berühmt ist, für den interessieren sich die Medien, und zwar sämtliche Sparten. Punkt, aus. Ich kann darin nichts Negatives sehen. In Deutschland hat man da anscheinend so die Haltung: wer YouTube macht, soll genau das tun und nichts anderes. Aber man muss nur mal nach Großbritannien gucken, um zu sehen, dass es auch anders geht. Dan und Phil haben ihre eigene Radioshow und soweit ich das beurteilen kann, hat das keinen Shitstorm ausgelöst, im Gegenteil, die Leute freuen sich darüber, dass sie von den beiden nun mehr haben können als "nur" ihre Videos. Klar, es gibt auch hier viele Leute, die es toll fanden, dass Dner bei der Stock-Car-Crash-Challenge (hieß das so?) mitgemacht hat oder dass Andre von ApeCrime beim TV-Total-Turmspringen dabei war, aber in besagter Diskussion überwog, soweit ich das mitbekommen habe, der Anteil derjenigen, die sowas kritisch sehen. Ich selbst habe keine der beiden genannten Sendungen gesehen, da ich allgemein kein Fan von sowas bin, ich würde das noch nicht einmal gucken, wenn daran ausschließlich Leute teilnehmen würden, die ich richtig, richtig gerne mag.

Letztendlich läuft das Ganze für mich wohl darauf hinaus, dass ich der Meinung bin, dass wir alle mündig genug sind, um selbst zu entscheiden, was wir gucken, lesen und hören. Und genauso soll auch jeder YouTuber selbst entscheiden, was er mitmacht und was nicht, ob er sich selbst als Star sieht und wie er mit seinen Fans umgeht. Wie Fans mit ihren Lieblings-YouTubern umgehen, ist allerdings nicht ihre eigene, ganz freie Entscheidung, aber das ist auch schon wieder ein Thema für sich. Ich meine jedenfalls, dass viele YouTuber auf jeden Fall Stars sind, ob einem dieses Wort nun passt oder nicht, aber eigentlich macht das doch gar keinen so großen Unterschied, es ist einfach ein Label, dass den Leuten verpasst wird. Solange ich ihre Videos gut finde, sind sie für mich in allererster Linie eins: Menschen, die es regelmäßig schaffen, mich in irgendeiner Weise zu unterhalten und/oder sogar zu inspirieren. Ende der Diskussion.
4.12.14 11:25


Formatiert

YouTuber und andere Leute, die mit YouTube zu tun haben, werden häufig gefragt, was aus ihrer Sicht die Vorteile von YouTube im Vergleich zum Fernsehen sind. Dabei wird immer wieder gesagt, dass die Attraktivität und vielleicht sogar Überlegenheit von YouTube unter anderem darin besteht, dass der Zuschauer selbst entscheiden kann, wann er sich was anguckt oder eben nicht. Dass man nicht einfach ein Gerät einschaltet, dass einem dann sozusagen vorgibt, was man zu gucken hat, weil einfach nichts anderes läuft, jedenfalls nicht zu dieser Zeit. Das sehe ich ganz genauso, YouTube ist flexibler und ich kann mein Programm selbst bestimmen, ohne von irgendwelchen Sendezeiten abhängig zu sein. Das macht für mich zu einem großen Teil den Reiz von YouTube aus und damit bin ich sicherlich nicht alleine. Was ich aber nicht verstehe, ist die Sache mit den Formaten. Wenn YouTube dem Fernsehen insoweit überlegen sein soll, als es keine strengen Sendepläne gibt, warum arbeiten dann so viele YouTuber mit Formaten und häufig sogar festen Uploadzeiten? Warum gibt es auf so vielen Kanälen an einem bestimmten Tag (manchmal sogar zu einer bestimmten Uhrzeit) eine bestimmte Art von Videos? Ist das nicht eigentlich verdammt nah an dem doch als so überholt angesehenen Fernsehprinzip?

Klar, ich als Zuschauer bin nicht gezwungen, mir ein Video, das samstags um 15 Uhr hochgeladen wird, auch samstags um 15 Uhr anzugucken. Wenn ich Lust dazu habe, kann ich Jahre vergehen lassen, bis ich das Video aufrufe. Oder ich kann es auch gar nicht aufrufen. Ich weiß nicht, wie groß die Zahl derjenigen ist, die tatsächlich wie beim Fernsehen auf die festgelegte Zeit warten, zu der ein neues Video ihres Lieblings-YouTubers erscheint. Solche Leute gibt es bestimmt, wahrscheinlich sind das gar nicht mal so wenige. Das soll jeder handhaben, wie er will. Mir geht es eher um die andere Seite, um die Sicht der YouTuber, und auch mehr um die Sache mit den Formaten als die mit den festen Zeiten. Wenn ich Formate festlege, bremse ich dann nicht meine eigene Kreativität aus? Ich kann mir gut vorstellen, dass interessante Video-Ideen häufig gar nicht erst umgesetzt werden, weil sie eben in keins der Formate passen, die der Kanal "sendet". Oder zumindest werden sie nicht direkt umgesetzt, sondern vielleicht erst eine ganze Weile später, wenn man die Formate mal gewechselt oder etwas Neues hinzugefügt hat. Einige YouTuber bringen solche Videos, die in kein Format passen, natürlich auf ihrem Zweitkanal, dann aber wohl meistens in einer weniger aufwendigen Form, die die eigentliche Idee vielleicht gar nicht wirklich würdigt.

Ein weiteres Problem, das ich im Zusammenhang mit Formaten sehe, ist, dass man irgendwann total eingefahren ist und gar nicht mehr anders kann, als Videos zu produzieren, die in das jeweilige Format passen. Wenn dieses dann auch noch bei den Zuschauern gut ankommt, muss es wirklich schwer sein, es zu kippen. Deshalb (und auch, weil ich irgendwie kein Thema aufgreifen kann, ohne über Y-Titty zu sprechen) finde ich es durchaus positiv, dass Y-Titty nach wirklich langer Zeit beschlossen haben, die wöchentliche KomKom-Show aufzugeben, obwohl ich selbst sie echt gern gesehen hab - zwar auch nicht jede Woche, aber doch relativ regelmäßig. Viele Zuschauer mögen das kritisch gesehen haben, aber ich denke, es ist der einzig richtige Weg, etwas auch mal sein zu lassen, wenn man selbst der Meinung ist, dass es überholt ist oder eben einfach schon zu lange lief. Und das nicht nur wegen derjenigen Zuschauer, die über mangelnde Kreativität und Abwechslung meckern, sondern auch für das eigene Gefühl. Wenn die drei eben keinen Bock mehr auf KomKom-Show hatten, dann hatten sie eben keinen Bock mehr. Natürlich kann man darüber streiten, ob es dem Kanal letztendlich gut getan hat, dass dieses Format abgeschafft wurde, aber ich bin jedenfalls der Meinung: wenn man schon feste Formate macht, dann muss man diese wenigstens ab und an wechseln. Sonst stauben sie ein.

Ich hab aber eigentlich gar nichts gegen Formate an sich, sondern nur gegen diese gezwungene Regelmäßigkeit. Warum soll man denn jede Woche, am besten noch an einem festgelegten Tag zu immer der gleichen Uhrzeit, ein Video der gleichen Art hochladen? Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, eine Art von Video, die einem selbst Spaß macht und die am besten auch noch bei den Zuschauern gut angekommen ist, irgendwann zu wiederholen, von mir aus auch mehr als einmal. Aber warum nicht genau dann, wenn man eben gerade eine wirklich gute Idee hatte, die in dieses Format passt? Selbst wenn dann Wochen oder auch Monate vergangen sind, seit man zum letzten Mal ein Video dieser Art veröffentlicht hat. Ich hab auch nichts dagegen, wenn ein YouTuber sich ganz allgemein auf eine bestimmte Videoform festlegt, also zum Beispiel immer vloggt, immer Sketche macht, immer PC-Spiele spielt und kommentiert oder immer auf lustige Weise etwas aus seiner Kindheit erzählt. Oder wie auch immer. Wer einen YouTube-Kanal startet, macht halt einfach das, was ihm am ehesten liegt und was ihm am meisten Spaß macht, oder auch einfach nur das, was die Leute sehen wollen. Ist ja klar. Von mir aus kann der YouTuber dem Ganzen auch gerne einen festen Namen geben (siehe zum Beispiel LeFloids "LeNews"), das hat ja durchaus auch was mit Wiedererkennungswert zu tun.

Was mich stört, ist, wenn ein Kanal quasi nur noch aus ein, zwei festen Formaten besteht. Bestes Beispiel aktuell: ApeCrime. Ich weiß, man könnte vermuten, dass ich wenig anderes zu tun habe, als auf den drei Jungs rumzuhacken, ich hab sie ja schon mehr als ein Mal als negatives Beispiel benannt, und leider komm ich auch bei diesem Thema nicht drumherum, das zu tun, was aber nichts daran ändert, dass ich ApeCrime grundsätzlich mag (Grundsympathie und so). Aber ich bin wirklich genervt von Let's Draw und irgendwelchen Aufzählungen. Oder eher davon, dass einfach nichts anderes mehr kommt auf diesem Kanal. Let's Draw ist eine lustige Sache, keine Frage, die Grundidee find ich wirklich gut, aber ich gucke diese Videos mittlerweile nur noch, wenn die Jungs Gäste dabei haben, die ich mag, und auch dann schau ich die Videos nur selten bis zum Ende. Und meistens mach ich dabei irgendwas anderes, zum Beispiel essen. Let's Draw kriegt schon lange nicht mehr meine volle Aufmerksamkeit, sagen wir's mal so. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass ich diesen Feuerwerk-Rumschrei-Hauptsache Lustig-Humor einfach nicht teile (vielleicht bin ich wirklich zu alt für manche Inhalte auf YouTube oder zu sehr Frau, um das zu verstehen). Ab und an ist das ja ganz witzig, aber ich finde, inzwischen ist es einfach ausgelutscht. Ich würde nicht sagen, dass Let's Draw als Format an sich auch schon ausgelutscht ist, aber ich würde mich wirklich freuen, wenn es nur noch ab und an käme, vielleicht alle paar Wochen, zwischen verschiedensten anderen Videos. Dann wäre es was Besonderes und dann hätte ich vor allem nicht mehr das Gefühl, dass den Jungs einfach nichts mehr einfällt. Denn es macht wirklich keinen Spaß, das zu unterstellen. Die andere Sache, die mich an Let's Draw stört, ist, dass es in der letzten Zeit immer mehr vollgestopft wird mit Sachen, die mit dem eigentlichen Format wenig bis gar nichts zu tun haben, zum Beispiel die "Sitcom", die man doch durchaus in längerer Form mal in ein eigenes Video packen könnte. Aber mir ist mehr als klar, dass ApeCrime natürlich das "beste Format auf YouTube" (ich unterschreibe das NICHT), das bei den meisten ihrer Zuschauer nach wie vor sehr gut ankommt, nicht weniger regelmäßig oder gar nicht mehr produzieren werden. Jedenfalls nicht in naher Zukunft.

Das Beispiel ist keine schlechte Überleitung zu den von mir vermuteten Gründen, warum YouTuber mit Formaten arbeiten. Sie geben Sicherheit. Wenn man sieht, dass eine bestimmte Art von Videos Woche für Woche immer wieder aufs Neue bei den Zuschauern gut ankommt, dann fährt man eben sehr wenig Risiko, wenn man sieben Tage später wieder ein solches Video hochlädt. Etwas Neues zu versuchen oder auch nur eine alte Idee nach langer Zeit noch einmal aufzugreifen, ist viel riskanter. Auch für die Zuschauer sind feste Formate etwas angenehm Verlässliches, man weiß, dass an einem bestimmten Tag ein Video kommt, dessen Ablauf einem gefällt. Die Frage ist: wie lange geht das gut? Bin ich zum jetzigen Zeitpunkt total alleine damit, dass ich von Let's Draw gelangweilt bin? Oder gibt es vielleicht schon eine ganze Menge von Zuschauern, die gerne mal wieder etwas anderes von ApeCrime sehen würden? Wie lange wird es noch dauern, bis die allgemeine Begeisterung für dieses Format in kollektives Gähnen umschlägt? Wird das überhaupt jemals passieren? Oder reichen den Leuten die Veränderungen innerhalb des Formats aus (zum Beispiel, dass es schon lange nicht mehr darum geht, wer gewinnt, sondern darum, möglichst viel "coolen" Unsinn zu machen)?

Das Ganze hat sicherlich auch nicht zu knapp was mit Bequemlichkeit zu tun. Ein festes Format, das bei den Zuschauern gut ankommt, immer wieder zu bedienen, ist einfacher, als sich dauernd was Neues auszudenken. Klar. Aber nicht nur das. Ich denke, wenn man regelmäßig Videos mit einer festen Grundidee und einem festen Ablauf produziert, dann hat man nach einer gewissen Zeit Routine darin, auch wenn es sich um ein durchaus aufwendiges Format handelt. Man weiß, wie man die Videos dieses Formats schneidet und kann auch mal Dinge wiederholen, die die Zuschauer besonders gerne mochten. Man weiß auch, dass es eine gewisse Form von Aktivität der Zuschauer geben wird, und dass sehr wahrscheinlich mit einer bestimmten Mindest-Klickanzahl gerechnet werden kann. Und auch, dass das Ganze von einem selbst aus jedes Mal wieder funktioniert (damit meine ich zum Beispiel, dass die ApeCrime-Jungs jede Woche aufs Neue spontan aus den Gegebenheiten von Let's Draw heraus witzige - oder jedenfalls witzig gemeinte - Dinge von sich geben können und dass sie nicht befürchten müssen, dass einem von ihnen plötzlich nichts mehr einfällt). Darüber hinaus ist es natürlich hilfreich und praktisch, wenn man einer bestimmten Art von Video einen Namen geben kann, den dann alle kennen. Das kann sogar soweit gehen, dass man bestimmte YouTuber mit ihrem/ihren Hauptformat/en assoziiert ("ApeCrime? Das sind doch die mit Let's Draw"). Ob man auf sowas reduziert werden möchte oder nicht, ist nochmal eine ganz andere Frage.

Es gibt durchaus Formate, die ich sehr gut finde und die ich mir auch fast jedes Mal angucke. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Izzis und Dners "Ramble"-Videos. Ich denke, bei der Frage, warum es dieses feste Format überhaupt gibt, spielt vor allem die Sache mit dem Namen eine wichtige Rolle. Izzi und Dner könnten ja auch einfach Videos machen, in denen sie über irgendein Thema reden, ohne diese Videos in irgendeiner Weise zu benennen. Dann würde der Zuschauer aber vielleicht gar nicht erkennen, dass hinter diesen ziemlich unterschiedlichen Videos immer der gleiche Gedanke steht. Und auch die Interaktion mit der Community in Form von Themenvorschlägen per Twitter über einen Hashtag, der eben den Namen des Formats trätgt, wäre deutlich schwieriger. Ramble ist aber natürlich an sich kein besonders stark "reglementiertes" Format, da es bei diesen Videos ja darum geht, dass die beiden Jungs ihre Gedanken zu einem bestimmten Thema einfach spontan rauslassen. Jedes Video wird an einem anderen Ort gedreht und allein schon die Bandbreite der Themen, die in den bisherigen Folgen angesprochen wurden, zeigt, dass man auf keinen Fall alle Ramble-Videos über einen Kamm scheren kann. Natürlich entsteht auch bei Let's Draw vieles spontan und aus der Situation heraus, aber es gibt doch eben viele feste Elemente, die die Zuschauer auch erwarten, wenn sie eins der Videos ansehen (zum Beispiel die Location, Jans "Moderationen", die Anzahl der Runden und so weiter) - das macht Let's Draw zu einem Format, das in seiner Regelmäßigkeit schon viel Ähnlichkeit zu TV-Sendungen aufweist, die immer zur gleichen Zeit ausgestrahlt werden und immer dem gleichen Prinzip folgen. Ramble ist schon allein dadurch, dass es keinen Moderator und auch nicht immer einen wirklichen roten Faden gibt, eine ganz andere Geschichte. Und der Zuschauer weiß dabei so gut wie gar nicht, was ihn erwartet und wohin eine eingangs gestellte Grundfrage mal führen wird. Außerdem gehen Izzi und Dner mit den Uploadzeiten für Ramble, die ja eigentlich auch festgelegt sind, ziemlich locker um, und wer ihnen böse ist, nur weil Ramble mal freitags statt mittwochs kommt, der sollte sich mal am Kopf kratzen.

Irgendwie ist dieser Post fast schon zu einem Let's Draw versus Ramble verkommen, das sollte eigentlich nicht so sein. Das liegt an meiner Neigung dazu, mit Beispielen zu arbeiten. Man muss das Ganze immer vom Speziellen zum Allgemeinen führend betrachten. Es gibt ja schließlich auch noch eine ganze Menge anderer YouTuber, die auf ähnliche Weise mit festen Formaten arbeiten wie ApeCrime. Und falls das noch nicht klargeworden sein sollte: ich finde Formate nicht grundsätzlich schlecht, es ist ja auch klar, dass ein YouTuber seine Video-Ideen auf gewisse Weise sortiert und organisiert, um sich die Arbeit zu erleichtern und den Überblick sowie das Zuschauerinteresse nicht zu verlieren. Aber ich finde, das muss doch nicht so regelmäßig passieren und darf vor allem nichts anderes ausschließen und den YouTuber unter Druck setzen. Wieso nicht mal eine bestimmte Videoart produzieren, dann wochenlang wechselnde andere Dinge machen und dann vielleicht, wenn wieder eine Idee da ist, diese Videoart nochmal aufgreifen? Es gibt ja einige YouTuber, die genau das machen, und das finde ich sehr entspannt. Natürlich sollte es immer hauptsächlich darum gehen, dass der YouTuber selbst Spaß an dem hat, was er tut, und das auch noch nach längerer Zeit. Die Wünsche der Zuschauer sollten eine untergeordnete Rolle spielen (und das betrifft dann natürlich auch meinen eigenen Wunsch nach mehr Abwechslung auf ApeCrime). Wie immer gilt: ich muss es mir ja nicht angucken, wenn ich's doof finde. Aber wenn man will, dass YouTube sich vom Fernsehen unterscheidet, dann muss man als YouTuber auch mal was Neues wagen, innovativ sein und Risiken eingehen. Und seine eigenen Festlegungen, wenn man denn überhaupt welche trifft, nicht zu ernst nehmen.
24.11.14 18:23


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