Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback


http://myblog.de/youtubegedanken

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Komische Phase zur Zeit

Lange nichts mehr gepostet. Liegt zum Teil daran, dass ich in letzter Zeit vergleichsweise wenig auf YouTube unterwegs war. Was wiederum daran liegt, dass ich gerade superviel für mein Studium zu tun habe. Gerade dann fällt es mir eigentlich superschwer, nicht mal hier und da eine Stunde auf YouTube zu verschwenden, aber irgendwie bin ich momentan erstaunlich diszipliniert. Ich habe allerdings auch das Gefühl, dass die deutsche YouTube-Szene gerade ziemlich inaktiv ist. Oder jedenfalls der Ausschnitt aus der deutschen YouTube-Szene, den ich verfolge. Einige haben lange keine Videos mehr gemacht, wobei die Gründe dafür nicht immer bekannt sind, andere laden unregelmäßiger hoch als noch vor einigen Wochen oder Monaten. Ist mir ziemlich egal, ich bin ja, wie man hier vielleicht schon mitbekommen hat, starker Verfechter der Theorie (falls man das Theorie nennen kann, ich glaube eher nicht), dass jeder YouTuber tun und lassen soll, was er möchte und zwar so oft und so regelmäßig, wie es ihm passt.

Zum anderen habe ich in der letzten Zeit die britische Szene etwas stärker verfolgt und einige neue Kanäle entdeckt, die ich schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen will. Aber ich habe immer das Gefühl, darüber nicht wirklich etwas schreiben zu können, weil ich mich erstens nicht besonders gut auskenne und zweitens überhaupt nicht mitbekomme, wie die Gesellschaft im Vereinigten Königreich auf YouTube reagiert, sprich, wie die Zielgruppen aussehen, welchen Stellenwert YouTube im Gesamten und einige Personen im Speziellen haben, inwieweit ein Starkult um YouTuber betrieben wird und so weiter. Klar, ansatzweise bekommt man das schon mit, aber ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob man in dem betreffenden Land lebt oder nicht.

Auch auf Twitter war ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr (ich nutze Twitter so gut wie ausschließlich, um bestimmten YouTubern zu folgen). Irgendwie war ich genervt von der Masse an Tweets, die da täglich kommen. Natürlich bin ich nicht gezwungen, das zu lesen und reagieren muss ich erst recht nicht. Aber eine Zeit lang hatte ich echt das Bedürfnis, ständig nachzusehen, was es Neues gibt und möglichst viele Tweets zu favorisieren. Seit ich damit aufgehört habe, fehlt mir nichts, im Gegenteil, ich habe das Gefühl, weniger Zeit zu verschwenden. Zudem haben mehrere deutsche YouTuber in letzter Zeit geäußert, dass sie selbst genervt sind von Twitter, weil unüberlegte, schlecht formulierte Tweets leicht zu Streit führen können oder zumindest bei den Zuschauern so ankommen, als läge Streit in der Luft. Außerdem wird Twitter viel zu viel zu Werbezwecken genutzt. Ich brauche keine Tweets, die mir sagen: Wir haben ein neues Video gemacht. Das sehe ich auf YouTube. Und ich gehöre sowieso nicht zu den Leuten, die sich ein Video sofort nach dem Upload ansehen und dann am besten noch einen "Erster!"-Kommentar schreiben. Ich habe mir vorgenommen, mal auszumisten, was die Leute angeht, denen ich auf Twitter folge, damit das Ganze überschaubar bleibt und ich mal wieder Lust bekomme, dieses Soziale Medium zu nutzen. Mal gucken. Insgesamt habe ich auch auf Twitter im Moment mehr Spaß an der englischsprachigen, hauptsächlich britischen YouTube-Szene.

Was das deutsche YouTube angeht, gibt es eine ganze Reihe von Themen, über die ich schreiben will, aber ich komme im Moment einfach nicht dazu. Nicht nur, weil ich es mir wegen des Studiums quasi selbst verbiete, sondern auch, weil ich irgendwie keine Motivation finde, mich so richtig mit einem Thema zu beschäftigen. Außerdem greifen so viele der Themen in gewissem Sinne ineinander und ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll und was wirklich zusammengehört. Aber ich denke, das legt sich, wenn ich ab nächsten Monat endlich wieder mehr Zeit habe. Zeit, um Videos zu schauen und Zeit, um was zu schreiben.

Auf jeden Fall bleibt es weiter spannend, die Szene zu beobachten, und sei es momentan auch nur oberflächlich. Die Statistik sagt, dass bei vielen Kanälen, die ich abonniert habe, der Zuwachs an neuen Abonnenten sinkt, einige verlieren sogar Abonnenten. Man kann sich fragen, ob das der Anfang vom Ende ist, für Einzelne oder gar insgesamt. Aber das lässt sich nicht beantworten, weil in der Entwicklung jedes einzelnen Kanals so viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Alles sehr individuell. Aber jedenfalls gab es einige recht grundlegende Veränderungen in der letzten Zeit, von denen ich viele sehr begrüße. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Taddls und Ardys sehr ehrliches Video zu verschiedenen YouTube-Themen plus die Löschung ihrer alten Videos und die Entscheidung von FloVloggt, in Zukunft eine etwas andere Art von Videos zu machen. Gefällt mir beides sehr, sehr gut und ich werde bestimmt an der ein oder anderen Stelle in zukünftigen Posts nochmal darauf eingehen (insbesondere auf die Ardy-Taddl-Geschichte). Wann auch immer. Wie auch immer. Stay tuned (wobei es wirklich ziemlich lächerlich ist, das zu schreiben, das liest doch hier eh keiner. Aber gut. Dann richtet sich das eben nur an mich selbst.)
21.3.15 11:51


Heute mal ein bisschen was anderes

Eigentlich wollte ich heute einen neuen Post schreiben, aber dann habe ich dieses neue Video auf Flos Kanal gesehen und fand es so gut und passend zu diesem Blog, dass ich das Verfassen des angedachten Posts einfach mal verschiebe und nur das Video verlinke. Ein wichtiges Thema, über das ich auch schonmal schreiben wollte, über das Flo, Luna, Taddl, Ardy und Marley als "Insider" aber natürlich viel besser sprechen können.
9.2.15 16:03


Geld und Leichtigkeit

Im Zusammenhang mit mehreren verschiedenen Themen, über die ich hier schon geschrieben habe, ist das Stichwort "Geld" gefallen, ohne dass ich näher darauf eingegangen bin. Das hatte vor allem den Grund, dass ich über dieses Geschichte gerne einen separaten Post schreiben wollte. Und genau das tu ich jetzt.

Nicht selten habe ich schon mitbekommen, dass per Kommentarfunktion auf YouTube selbst oder in den sozialen Netzwerken darüber diskutiert wird, wie "reich" diverse YouTuber doch angeblich sind. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wieviel diese Personen monatlich einnehmen, sondern auch darum, ob dieses Geld tatsächlich "verdient" ist, sprich: ob das regelmäßige Produzieren und Hochladen von kurzen Videos eine Leistung ist, die eine (vermeintlich hohe) Bezahlung rechtfertigt. Da gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, das vielzitierte "YouTube-Money" sei unheimlich leicht verdient, die YouTuber würden ja nur ihr Gesicht in die Kamera halten, ein bisschen reden und sich damit einen Lebensstandard finanzieren, der unverschämt luxuriös sei. Um das mal ein bisschen überspitzt darzustellen. Dass aus diesen Menschen hauptsächlich der Neid spricht, ist ziemlich offensichtlich und muss hier nicht weiter diskutiert werden.

Zunächst einmal muss man da natürlich stark differenzieren, was die Personen angeht. Um das zu vereinfachen (und weil ich da den besten Überblick habe), bleibe ich auch hier mal nur in der deutschen YouTube-Szene. Man kann wohl kaum davon ausgehen, dass jeder deutsche YouTuber, der bekannt genug ist, um bei den Videodays eine Autogrammstunde geben zu dürfen (wenn man das mal als Maßstab nimmt), gleich viel verdient. Dass das von den Klickzahlen abhängig ist, weiß sicher jeder. Da wird immer viel gerätselt, wieviel jeder einzelne Klick wert sein könnte und dabei fallen meist Summen, die ich kaum für realistisch halte. Aber ich habe eben auch keine offiziellen Zahlen, deshalb möchte ich auf dieser Sache hier nicht rumreiten, sondern einfach nur aussagen, dass es in Deutschland sicherlich nur sehr wenige YouTuber gibt, die rein durch ihre YouTube-Einnahmen tatsächlich im Luxus leben können, wobei natürlich auch die Frage ist, wie man den Begriff "Luxus" definiert. Ich denke aber, dass ein YouTuber, dessen Kanal Klickzahlen im siebenstelligen Bereich generiert, nicht schlecht leben kann. Sonst wären einige wohl kaum in der Lage, ihren Lebensunterhalt über einen längeren Zeitraum hinweg nur über YouTube zu finanzieren. Das sind jedoch alles nur Vermutungen und ich möchte mich nicht in die Nesseln setzen, indem ich hier irgendwas behaupte, was am Ende nicht mal annähernd der Wahrheit entspricht.

Es geht mir aber gar nicht in erster Linie um die Frage nach den tatsächlichen Einnahmen. Keinen von uns geht es etwas an, was ein anderer verdient, egal, mit welcher Tätigkeit dieser das Geld einnimmt. Auch eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, muss so etwas nicht offenlegen. Ich störe mich vielmehr an den Aussagen, die nahelegen, dass YouTuber vollkommen überbezahlt seien, weil sie im Vergleich zu "normal arbeitenden" Personen kaum etwas für ihr Geld tun müssten. Dies wird von anderen oft gekontert mit der Frage, was denn dann zum Beispiel mit Profifußballern sei. Ganz abgesehen davon, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass das Leben eines Spitzensportlers - allein schon rein körperlich gesehen - ein Einfaches ist, finde ich, dass dieser Vergleich ganz klar hinkt. Zunächst einmal kann man die Arbeit eines Fußballers nun wirklich kein bisschen mit der eines YouTubers vergleichen, darüber hinaus muss man die tatsächlichen Verdienste gar nicht kennen, um sicher sein zu können, dass kein (jedenfalls kein deutscher) YouTuber mehrere Millionen im Monat verdient. Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, ob ein solches Gehalt für einen Fußballer gerechtfertigt ist, und ich sehe das ganz realistisch: wenn die Vereine bereit und in der Lage sind, ihren Spielern so viel Geld zu bezahlen, dann ist das eben so. Auch dieser Markt wird durch Angebot und Nachfrage reguliert. Das kann man gut oder schlecht finden, muss aber akzeptieren, dass es so ist. Jetzt will ich aber nicht über Fußball reden, sondern eben über die Frage: wie leicht oder schwer verdient ist das Geld, das ein YouTuber mit seinen Videos einnimmt?

Auch hier muss man differenzieren. Nicht jede Art von Videos ist gleich aufwendig in der Produktion und nicht jeder YouTuber produziert gleich viele Videos am Tag, in der Woche, im Monat oder im Jahr. Hinzu kommt, dass einige YouTuber die gesamte Produktion ihrer Videos komplett alleine bewerkstelligen, während andere - wie zum Beispiel Y-Titty - ein Team im Hintergrund haben. Da muss jeder den Weg finden, der für ihn am besten passt und den er am besten über einen längeren Zeitraum hinweg durchhalten kann. Da gibt es aus meiner Sicht kein "Richtig" und kein "Falsch" und erst recht kein "Gut" oder "Schlecht". Natürlich kann bei einigen YouTubern der Eindruck entstehen, dass derjenige es sich besonders einfach macht. Ich selbst denke zum Beispiel, ohne dass ich das in irgendeiner Weise belegen könnte, dass die Produktion eines Let's Plays in einer Aufwandsskala eher niedrig anzusiedeln ist. Bei diesem Videogenre wird normalerweise nur sehr wenig geschnitten, denn es geht dabei ja gerade darum, dass der YouTuber das Spiel spielt und kommentiert oder nebenbei beispielsweise Nutzerfragen beantwortet. Hierbei soll er möglichst natürlich rüberkommen, es sind die spontanen Reaktionen, die der Zuschauer sehen möchte und die ein solches Video interessant, lustig, spannend oder sonstwie machen. Ich jedenfalls fände es nicht besonders toll, wenn ich das Gefühl hätte, dass jemand bei einem Let's Play all das rausschneidet, was ihm vielleicht nicht so gefällt, ganz abgesehen davon, dass auch das Spiel dann nicht mehr "fließen" würde. Zu einem Let's Play gehört dann noch ein Intro und eventuell auch eine Endcard, das sind Designs, die einmal produziert und dann vor beziehungsweise hinter jedes Video gesetzt werden. Natürlich kann allein die Herstellung dieser Designs sehr zeitaufwendig sein, wenn der YouTuber besonders viel Liebe und Mühe hineinsteckt. Aber trotzdem denke ich doch, dass ein Let's Play alles in allem eine eher einfach und auch schnell zu produzierende Art von Video ist. Da dürfte es kein Problem sein, innerhalb von ein paar Stunden gleich mehrere Folgen am Stück aufzunehmen und fertigzustellen. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren, falls das vollkommener Schwachsinn sein sollte.

Vlogs, vor allem, wenn sie über einen ganzen Tag hinweg an verschiedenen Orten und in verschiedenen Situationen aufgenommen werden, sind sicherlich deutlich zeitraubender im Schnitt, zumal hier auch häufig noch einzelne Szenen mit Musik unterlegt werden und/oder Text eingefügt wird. Ähnlich dürfte es sich mit gescripteten Videos, wie zum Beispiel Sketchen, verhalten. Hierbei braucht man häufig sicherlich mehrere Takes pro Szene, hinzu kommen Kostüm- und Locationwechsel und so weiter und so fort. Nicht zu verachten sind dabei auch die Anfertigung des Drehbuchs und andere organisatorische und logistische Planungsaufaben. Es ist aber sicher ein Fehler, wenn man nur den Zeitaufwand hinter Videoproduktion in die Beurteilung des tatsächlichen "Verdienstes" eines YouTubers einbezieht. Denn viele von ihnen machen auch noch eine ganze Menge andere Dinge nebenbei, treten in Videos anderer Kanäle auf, geben Interviews, beantworten Fragen von Zuschauern auf diversen Plattformen und und und. Hinzu kommt noch etwas anderes, das ich hier mal als psychologische Komponente bezeichnen möchte. Je bekannter und erfolgreicher ein YouTuber ist, desto größer ist auch der Druck auf ihn. Damit meine ich zum Einen das hier im Blog auch schon angesprochene Thema "YouTube als Verpflichtung", zum Anderen aber auch die Tatsache, dass diese YouTuber ständig auf der Straße erkannt werden und sich natürlich ihren Zuschauern gegenüber möglichst positiv präsentieren wollen. Dieser Druck wird bestimmt nicht von jedem gleich stark empfunden und man kann sehr unterschiedlich damit umgehen. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass die meisten erfolgreichen YouTuber dies sehr gut verkraften und sogar als motivierend empfinden können, bin ich mir doch sicher, dass das Ganze an keinem komplett spurlos vorbeigeht.

Je erfolgreicher jemand ist, desto mehr wird YouTube zum Vollzeitjob im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt keine festen Arbeitszeiten und auch, wenn ein YouTuber gerade nicht an einem neuen Video arbeitet, ist er wahrscheinlich in Gedanken mit seinem Job beschäftigt sein. Dies wird sicherlich auch dadurch verstärkt, dass viele YouTuber privat mit anderen YouTubern befreundet sind. Ich denke, wir kennen das alle: auch wenn man es eigentlich nicht möchte, lässt es sich nicht vermeiden, dass man mit den Kollegen auch in der Freizeit häufig über die Arbeit spricht. Schließlich ist das eine gemeinsame Beschäftigung, die man teilt, und man braucht jemanden, mit dem man sich über die Erfahrungen und Probleme austauschen kann. Bei selbständig und dazu noch kreativ arbeitenden Leuten, die nicht morgens in ein Büro gehen, wo sie immer die gleichen Menschen antreffen, ist das wahrscheinlich noch stärker der Fall, zumal viele YouTuber ja auch Kooperationen mit anderen machen. Man muss hierbei auch bedenken, dass es nicht nur darum geht, in Gedanken immer möglichst schon beim nächsten Video zu sein, sondern auch darum, Überlegungen anzustellen zu Themen, die anderen Menschen völlig fremd sein dürften: wie komme ich bei den Zuschauern an? Muss ich jeden Trend mitmachen, um "cool" zu bleiben? Hätte ich im letzten Video vielleicht doch die und die Szene weglassen, den oder den Satz anders formulieren sollen? Wie kommen meine Äußerungen, meine neue Frisur, mein Outfit, meine Stimme bei den Zuschauern an? Was macht die Konkurrenz gerade so? Will ich meine Zielgruppe bedienen oder einfach tun und lassen, worauf ich Lust habe? Wer ist eigentlich meine Zielgruppe? Und will ich genau diese Leute überhaupt als Zielgruppe haben? Selbst wer eine feste Fanbase hat, ist sicherlich nicht komplett vor solchen Gedanken gefeit. Hinzu kommt, dass man, je nach Art des Videos, häufig quasi auf Knopfdruck lustig und gut gelaunt sein muss. Jeder, der in einem Job mit Kundenkontakt arbeitet, weiß, wie schwierig es sein kann, immer freundlich zu lächeln, wenn man sich innerlich eigentlich gar nicht danach fühlt.

Der schon angesprochene ungeregelte Tagesablauf ist, denke ich, auch einer der Gründe, warum nicht wenige Menschen denken, mit YouTube könne man sehr leicht Geld verdienen. Von vielen YouTubern ist dank Twitter und Co. bekannt, dass sie häufig spät in der Nacht ihre Videos aufnehmen. Klar, sie müssen ja auch nicht morgens um 8 an einem Arbeitsplatz auf der Matte stehen. Allein das kann bei einigen Leuten zu Neid führen. Die Tatsache, dass YouTuber sich ihre Zeit auch sonst ziemlich frei einteilen können, verstärkt das sicher zusätzlich. Aber diese Flexibilität und Freiheit können auch negativ bis gefährlich sein. Wer keine geregelten Arbeitszeiten à la "nine to five" hat, muss über viel Selbstdisziplin verfügen und einfach ein gutes Zeitmanagement an den Tag legen. Und mir persönlich würde genau das extrem schwer fallen. Ich merke das regelmäßig im Studium, wenn ich eine Hausarbeit schreiben oder für eine Klausur lernen muss: da fange ich meistens erst auf den letzten Drücker an, weil ich immer denke, dass ich ja noch ewig Zeit habe. Aber immerhin habe ich dabei eine feste Frist vor Augen und weiß: ganz egal, wie du es anstellst, bis dann muss es fertig sein. Das fehlt bei YouTubern. Wenn niemand einem die Arbeitszeit vorgibt, ist es ganz schön schwer, sich trotz allem an einen Plan zu halten, allein schon, weil man selbigen erst einmal selbst erstellen muss. Hinzu kommt, dass man immer wieder von Neuem Motivation benötigt, wobei negative Kommentare und Ähnliches ziemlich kontraproduktiv sein können (auch das hängt aber natürlich von der einzelnen Person und ihrem Empfinden ab). Und auch die Tatsache, dass die Zukunft eines "hauptberuflichen" YouTubers ziemlich unsicher ist, darf man nicht vernachlässigen. Gerade bei Personen, die keine Ausbildung und kein Studium absolviert haben, spielt das eine nicht unwichtige Rolle. Ich kann es total verstehen, wenn jemand, der die Chance dazu bekommt, sein Hobby zum Beruf zu machen, all seine Energie in dieses Hobby steckt und formelle berufliche Qualifikationen hintenan stellt. Ich denke, diese Chance würden die allermeisten von uns ergreifen. Trotzdem kann es einen aber nicht vollkommen kalt lassen, dass gerade im schnelllebigen Medium Internet theoretisch morgen schon alles auf einen Schlag vorbei sein könnte, was man sich aufgebaut hat, und dass man dann womöglich nicht die allerbesten Karten hat, in einem anderen Beruf Fuß zu fassen oder zumindest erst einmal ein paar Jahre seines Lebens in die Erreichung der benötigten Qualifikation stecken muss. Natürlich ist das sicher keine Angst, die einen täglich umtreibt, und wahrscheinlich hat jemand, der richtig gut in Videoschnitt und anderen Dingen ist, auch Aussichten, nach dem Ende seiner YouTube-Karriere in anderen Medienbereichen tätig werden zu können (wobei auch die Bekanntheit des eigenen Gesichts eine Rolle spielt), aber eine unsichere Kiste ist das Ganze auf jeden Fall. Zumal auch die Einnahmen von Monat zu Monat durchaus variieren und auch mal hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben können. Die wenigsten YouTuber dürften so viel verdienen, dass sie im Notfall nach ihrer Karriere erst einmal ohne Job über die Runden kommen könnten oder gar jetzt schon bis an ihr Lebensende ausgesorgt haben.

Auch das Sozialleben eines erfolgreichen YouTubers dürfte ziemlich stark von seinem Job geprägt sein. Man hat wenig Zeit für Familie und Nicht-YouTuber-Freunde, vor allem, wenn diese weit weg wohnen. Dner zum Beispiel hat schon des Öfteren in Videos angesprochen, dass er nur sehr selten in seiner Heimatstadt Lübeck ist, und das, obwohl man bei ihm davon ausgehen kann, dass Familienbesuche nicht an mangelndem Geld scheitern dürften. Sein gesamtes YouTube-Leben spielt sich nun einmal in Köln ab, hinzu kommen diverse Reisen, die meistens direkt mit seinem Job zu tun haben. Wie stark ihn und seine Familie das stört, vermag ich nicht zu beurteilen, ganz einfach ist es aber sicherlich nicht. Taddl hat auch mal in einem Video erzählt, dass er nicht so gerne vloggt oder übertrieben viele Instagram-Bilder macht, weil er nicht bereit ist, so viel von seiner Privatsphäre aufzugeben. Viele Fans finden das sicher sehr traurig, aber ich denke, er macht das genau richtig. Wenn Vlogs eben nicht die Art von Videos sind, die er machen möchte und mit denen er sich wohlfühlt, dann sollte er sich auch für keinen Fan und für kein Geld der Welt dazu zwingen. Außerdem kann ich es absolut verstehen, dass er es seinen Freunden gegenüber (auch wenn diese selbst YouTuber sind) nicht besonders toll findet, sie ständig beispielsweise beim Essen zu fotografieren und diese Bilder dann auch noch auf Instagram hochzuladen. Auch wenn ich der Meinung bin, dass er eine sehr gesunde, vernünftige und realistische Einstellung zu diesem Thema hat, zeigt das Beispiel doch, wie sehr die Arbeit als YouTuber das gesamte Leben beeinflusst. Natürlich gilt das Gleiche auch für Leute, die anderweitig bekannt geworden sind, und ich würde auch niemals behaupten, dass YouTuber von diesen Problemen stärker betroffen sind als andere (die Paparazzi-Aktionen gegenüber YouTubern dürften sich stark in Grenzen halten), aber die Schwierigkeiten sind eindeutig gegeben. Dabei muss man aber immer im Hinterkopf behalten, dass YouTuber keine armen Schweine sind, denen diese Lebens- und Arbeitsumstände in irgendeiner Weise aufgezwungen wurden, sondern dass sie sich bewusst für diesen Job und alles, was damit zusammenhängt, entschieden haben. Ich kann für jeden Einzelnen von ihnen nur hoffen, dass er/sie dieses Leben wirklich mit Enthusiasmus lebt und auch einen Schlussstrich ziehen würde, sobald er/sie den Eindruck hat, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Natürlich ist es unmöglich, den beschriebenen Stress jetzt irgendwie in Geld umzurechnen und daran festzumachen, wieviel ein YouTuber verdienen sollte. Es gibt zum Beispiel nicht wenige YouTuber, die viel Aufwand in jedes ihrer Videos stecken, aber einfach (noch) nicht so erfolgreich sind wie andere, die demzufolge für den gleichen - oder auch weniger - Aufwand mehr Geld bekommen. Und einige betreiben das Ganze bestimmt auch nur als Hobby und erwarten gar nicht, dass sie jemals davon leben können. Deshalb kann und sollte man da nicht pauschalisieren. Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal den Eindruck habe, dass der ein oder andere YouTuber es sich relativ bequem macht, was den Aufwand hinter seinen Videos angeht, aber ich weiß auch, dass ich das nicht wirklich beurteilen kann. Insgesamt gesehen bin ich definitiv der Meinung, dass Stress, Zeitaufwand und psychologische Belastung (wobei es nicht darauf ankommt, als wie stark man Letztere empfindet), die hinter dem nach außen präsentierten Leben eines erfolgreichen YouTubers stecken, keinesfalls unterschätzt werden dürfen. Und damit halte ich es für vollkommen falsch, zu behaupten, dass diese Leute ihr Geld sehr leicht verdienen und mehr bekommen, als ihnen zustehen sollte. Man muss das auch vollkommen unabhängig davon betrachten, ob man persönlich die Videos eines gut verdienenden YouTubers für qualitativ hochwertig hält oder nicht. Es gibt viele YouTuber, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann, aber auch bei ihnen habe ich Respekt vor alldem, was sie in ihre Videos stecken. Es gibt in der Welt der Klatschpresse eine ganze Menge anderer "Promis", bei denen ich weitaus weniger nachvollziehen kann, was die eigentlich mal geleistet haben, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Es ist definitiv schwieriger, sein Geld mit YouTube zu verdienen, als nur dadurch berühmt zu werden, dass man in der richtigen Familie geboren wurde oder in selbige eingeheiratet hat. Wobei ich auch diesen Leuten durchaus zugestehe, dass es nicht immer leicht sein kann, wenn man dauernd von fremden Menschen erkannt wird. Aber das nur am Rande.

Zum Schluss möchte ich noch auf eine Sache eingehen, die bei den Diskussionen um die Verdienste immer mal wieder auftaucht: das Verhalten einiger YouTuber in Bezug auf ihren eigenen Lebensstandard. Vielen wird immer schnell unterstellt, sie seien arrogant und würden mit ihrem Geld protzen. Abgesehen davon, dass ich auch das für eine viel zu pauschalisierende Äußerung halte, muss ich zugeben, dass ich diese Meinung in gewisser Hinsicht verstehen kann, oder besser: dass ich verstehen kann, woher dieses Gefühl kommt. Es hat wohl in erster Linie damit zu tun, dass die meisten erfolgreichen YouTuber noch sehr jung sind, also in einem Alter, in dem die meisten anderen Menschen entweder noch gar kein eigenes Geld verdienen oder aber nur sehr wenig. Ich zum Beispiel habe als Studentin durch meinen Nebenjob und den Zuschuss meiner Eltern gerade genug, um jeden Monat ganz gut über die Runden zu kommen, aber ich muss mir vieles verkneifen, kaufe mir zum Beispiel nur selten neue Klamotten und Urlaub ist in vielen Jahren so gut wie gar nicht drin. Viele meiner Freunde haben darüber hinaus noch das Problem, dass sie jetzt schon wissen, dass sie in der ersten Zeit nach ihrem Studium in erster Linie dafür arbeiten werden, um ihr Bafög und/oder ihre Studienkredite zurückzuzahlen. Einige YouTuber (ich möchte aber auch hier nochmal betonen, dass sich diese Anzahl in Deutschland sehr in Grenzen hält) haben deutlich mehr. Ich muss, glaub ich, nicht nochmal sagen, dass sie das auch verdient haben und dass meine eigene Zukunft dank meines bald abgeschlossenen Studiums um einiges sicherer sein dürfte als die der YouTuber. Aber man merkt eben unverkennbar, dass diese YouTuber sich zumindest momentan in einer ganz anderen finanziellen Realität bewegen als die meisten anderen Menschen mit Anfang 20. Und aus dieser Realität heraus erzählen sie in ihren Videos auch, genau so wie ich mit meinen Freunden nicht selten über fehlendes Geld für eine Reise, sprich: über meine eigene finanzielle Realität, jammere. Es gab zum Beispiel vor ein paar Monaten mal einen Vlog von Dner, in dem er mit Sebastian Kluge im Café sitzt und erzählt, sie hätten sich gerade ein Cabrio gemietet. Einfach mal so. Dafür muss man das Geld erstmal haben, oder besser: in der Lage sein, es ohne wirklichen Grund in eine Automiete zu investieren. In vielen anderen Vlogs erzählen YouTuber von Taxifahrten, gerne auch mal in Paris oder anderen teuren Städten. Hinzu kommen natürlich auch die nicht gerade billigen Klamotten, die viele in ihren Videos tragen. Da finde ich es, ehrlich gesagt, durchaus verständlich, wenn das dem ein oder anderen Zuschauer aufstößt. Allerdings glaube ich nicht, dass die betreffenden YouTuber diese Sachen erwähnen, weil sie angeben oder irgendwen damit ärgern wollen, sondern einfach, weil es eben das ist, was in ihrem Leben gerade passiert. Und genau das will man als Vlog-Zuschauer ja erfahren. Dass ein Dner in Köln zum Beispiel lieber ein Taxi als die U-Bahn nimmt, kann ich angesichts seines Bekanntheitsgrads auch verstehen (in Paris ist das allerdings was anderes). Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder selbst entscheiden muss, wieviel seines Geldes er in was investiert. Nur weil Dner sich ein Cabrio gemietet hat, heißt das ja noch nicht, dass er allgemein auf großem Fuß lebt, wer weiß, an welcher Ecke er vielleicht stattdessen spart und ob bei dem Ganzen am Ende des Monats noch irgendwas übrig bleibt. Außerdem kommt es immer darauf an, ob einer Person bewusst ist, dass sie verdammt viel Glück damit hat, so leben zu können, wie sie es möchte, oder eben nicht. Ich spreche hier nicht nur von Dankbarkeit (die viele YouTuber durchaus immer wieder zum Ausdruck bringen), sondern auch von Selbstbewusstsein, also der Überzeugung, dass man jeden einzelnen Cent, der auf seinem Konto eingeht, auch tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes "verdient" hat. Und dieses Gefühl ist nicht nur für YouTuber wünschenswert, sondern auch für alle anderen arbeitenden Menschen. Als YouTuber muss man allerdings auch immer ein klein bisschen im Hinterkopf behalten, dass bestimmte Formulierungen bestimmte Reaktionen bei einem Teil der Zuschauer auslösen können. Was aber nicht bedeutet, dass man sich von diesen Reaktionen unterkriegen lassen muss.

Mein Fazit lautet also: auf YouTube dauerhaft erfolgreich zu sein, ist keinesfalls einfach, und damit ist auch das Geld, das jemand damit verdient, hart erarbeitet. Keinem von uns steht es zu, zu erfahren, wieviel ein YouTuber tatsächlich einnimmt, oder gar zu beurteilen, was angebracht und was zu viel (oder auch zu wenig) wäre. Denn würde man bei YouTubern damit anfangen, müsste man auch alle anderen Jobs dahingehend untersuchen. Und das ist unmöglich, solange wir in einer Welt leben, in der die Wirtschaft - und damit unser aller Verdienst - über das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage funktioniert.
24.1.15 13:24


Wenn man keine Ahnung hat ...

... einfach mal die Klappe halten. Das habe ich mir in der letzten Zeit zwei Mal gedacht, als ich Artikel zum Thema YouTube in der Presse las. Ich finde es grundsätzlich sehr positiv, wenn die "traditionellen" Medien sich mit YouTube beschäftigen. Gerade in der Generation der typischen Zeitungsleser (ich denke da zum Beispiel an meine Eltern, die Anfang/Mitte 50 sind) gibt es sicherlich noch eine ganze Menge Leute, die es erstaunen wird, zu lesen, dass man mit YouTube-Videos Geld verdienen kann und dass dieses Medium für Jugendliche heutzutage ziemlich wichtig oder geradezu unverzichtbar geworden ist. Ich denke, dass es wichtig ist, diesen Trend nicht zu ignorieren.

Sowas kann aber schnell ins Negative umschlagen, wenn in diesen Medien Dinge verbreitet werden, die nicht oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Wenn man ganz allgemein das Gefühl hat, dass da ein Journalist den Auftrag bekommen hat, etwas über YouTube zu schreiben, sich dann aber nicht richtig oder nicht ausreichend informiert hat. Ich kenne genug Print-Journalisten persönlich, um zu wissen, dass häufig keine Zeit für wirklich ausführliche Recherchen da ist, aber ich denke, gerade in den Redaktionen wirklich großer Zeitungen/Nachrichtenmagazine sollte es doch mindestens eine etwas jüngere und generell internetaffine Person geben, die wenigstens grob schonmal etwas von der YouTube-Welt mitbekommen hat oder sich zumindest schnell in dieses Thema einarbeiten kann. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, gibt es Fehler, die sich eindeutig vermeiden lassen, wenn man sich nach dem Verfassen eines Artikels nur ein paar Minuten Zeit nimmt, um diesen noch einmal zu überfliegen. Die Journalisten, die ich kenne, legen ziemlich viel Wert darauf, dass unter ihrem Namen nichts veröffentlicht wird, was sie nicht wenigstens grob korrekturgelesen haben, so dass mich die diversen Fehler in den beiden Artikeln, um die es mir hier geht, doch ziemlich erstaunen.

Die ganze #Freiheit-Geschichte hat einige Zeitungen und Zeitschriften dazu veranlasst, sich mal wieder (oder auch zum ersten Mal) mit dem Phänomen YouTube zu befassen. So auch die Lokalzeitung in der Region, in der meine Eltern wohnen. Darin gab es vor einigen Tagen einen relativ langen Artikel über das entscheidende Video von Simon aka ungespielt. Dabei war auch ein Bild von ihm, in der Bildunterschrift wurde sein Name korrekt angegeben. Im Text allerdings hat man ihn dann direkt im ersten Satz als "Sebastian Unge" bezeichnet. Ich frage mich wirklich, wie sowas passieren kann, zumal im weiteren Text dann wieder von "Simon" die Rede war. Man kommt nicht durch einen einfachen Tippfehler von "Simon" zu "Sebastian". Ich weiß, dass solche Dinge passieren, wenn man sich nicht zu 100 Prozent auf das Schreiben konzentriert, aber es sollte einem doch am Ende auffallen, ganz abgesehen davon, dass es doch wünschenswert ist, dass ein Journalist sich auf seine Arbeit tatsächlich konzentriert. Erstaunlicherweise gab es zu dem Artikel auf der Homepage der Zeitung bisher noch keinen einzigen Kommentar, was man vielleicht als ein weiteres Zeichen dafür ansehen kann, dass junge Leute keine Zeitung lesen. Es kann aber auch damit zusammenhängen, dass der Artikel an Silvester erschien, also an einem Tag, an dem die Leute vielleicht einfach Anderes zu tun hatten. Interessant finde ich aber auch, dass der gleiche Artikel in der Online-Version der Zeitung bereits einen Tag vorher erschienen ist, allerdings mit einem anderen Titel und einer Ergänzung um ein paar allgemeine Dinge zum Thema Entwicklung der YouTube-Szene. In diesem Text wird Simon von Anfang an korrekt benannt, was meine Verwunderung über den falschen Namen in dem gedruckten Artikel vom nächsten Tag nur noch größer macht. Aber das nur am Rande.

Das mit dem falschen Vornamen ist ein dummer und peinlicher Fehler, der allerdings noch nicht direkt den Schluss zulässt, dass die Zeitung im Allgemeinen oder auch nur der betreffende Journalist im Speziellen sich nicht vernünftig informiert oder sich gar noch nie zuvor mit YouTube beschäftigt hat. Das wird aber doch deutlich, wenn man den Artikel genauer liest. Zuerst einmal wird da ohne jede beweiskräftige Grundlage das Gerücht verbreitet, dass Simon mit seinen Videos im Monat eine mittlere fünfstellige Summe verdienen würde. Es ist nichts Neues, dass über den Verdienst von YouTubern immer wieder gemunkelt wird und dass dabei meist Summen genannt werden, die ziemlich aus der Luft gegriffen scheinen und eigentlich nichts aussagen, außer dass derjenige, der diese Gerüchte in die Welt setzt, einen ziemlich starken Neid auf die betreffenden YouTuber verspürt. Eine mittlere fünfstellige Summe, das bedeutet ein paar Zehntausend Euro, und das jeden Monat. Wenn ich das lese, möchte ich den Journalisten einfach nur schütteln und fragen: Hallo, glaubst du das wirklich? Natürlich ist auch mir bewusst, dass viele YouTuber, deren Videos ich mir fast täglich ansehe, im Vergleich zu den meisten anderen Leuten in ihrem Alter ziemlich gut verdienen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht zu denen gehöre, die glauben, dass dieses Geld super leicht verdient ist, kann ich mir ganz einfach nicht vorstellen, dass jemand wie Simon so leben und sich verhalten würde, wie er es offensichtlich tut, wenn er tatsächlich soooo viel verdienen würde. Aber lassen wir das, das führt zu weit und vor allem zu weit weg vom eigentlichen Thema. Außerdem hat der Journalist sich ja immerhin insofern korrekt verhalten, als er betont hat, dass es sich bei dieser Summe lediglich um ein Gerücht handelt (er hat allerdings auch nicht versucht, dieses zu widerlegen).

Am meisten aufgeregt an dem Artikel hat mich etwas, was dem Leser in der Online-Version (bewusst?) nicht gezeigt wird. Unter dem Bild von Simon, das abgedruckt wurde, stand, dass er in dem Video das Geschäftsmodell von YouTube kritisiere. Das ist ja so nicht richtig und zeugt aus meiner Sicht nun wirklich von unzureichender Auseinandersetzung mit dem Thema. Simon ist doch nicht angetreten, grundsätzlich infrage zu stellen, ob es gut oder schlecht ist, dass YouTube über Werbung funktioniert. Und dass YouTuber ihr Geld hauptsächlich mit der Werbung verdienen, die vor ihre Videos geschaltet wird. Er wäre auch nicht besonders schlau von ihm, das zu tun, denn dieses System sichert ihm nun mal den Lebensstandard, den er jetzt hat und den er selbst als gut bezeichnet. Es geht ihm um Netzwerke, aber noch nicht einmal das stimmt wirklich, denn es geht ihm ausschließlich um Mediakraft oder, um noch genauer zu sein, um das Verhalten bestimmter Teile dieses Unternehmens ihm und ein paar anderen, nicht namentlich genannten YouTubern gegenüber. In besagtem Artikel wird das auch ziemlich korrekt wiedergegeben, aber diese Bildunterschrift ist ganz großer Quatsch. Und auch das ist ein Fehler, der sich vermeiden lässt. Nun weiß ich, dass nicht immer der Journalist, der den Artikel geschrieben hat, auch für die Bildunterschrift zuständig ist, die macht häufig ein Layouter, in einigen Fällen ist anfangs noch nicht einmal klar, ob es überhaupt ein Bild zu dem Artikel geben wird und, wenn ja, welches. Aber auch hier hätte ein ganz grobes Überfliegen des Textes gereicht, um die Bildunterschrift zu korrigieren. Ansonsten hätte man es sich auch sehr leicht machen und nur Simons Namen und Beruf angeben können oder etwas Ähnliches. Damit hätte man das Problem ganz simpel umgangen.

Das war aber, wie schon angedeutet, nicht das einzige Mal, dass ich mich in der letzten Zeit über einen Presseartikel zum Thema YouTube geärgert habe. Da war auch noch dieser recht lange Text im "Spiegel" vom 29.12.2014. Zunächst einmal finde ich es immer wieder sehr witzig, wenn in den konventionellen Medien heutzutage die Rede davon ist, dass YouTube auf dem besten Wege sei, das Fernsehen zu ersetzen oder zumindest zu revolutionieren. Das kann ich nur belächeln, denn jeder, der sich wenigstens oberflächlich mit YouTube beschäftigt, weiß, dass das nun wirklich keine ganz neue Entwicklung mehr ist. Solche Formulierungen wirken immer so, als hätten die Macher der klassischen Medien das jetzt erst mitbekommen und wären komplett erstaunt und auch ein bisschen ratlos. Darüber hinaus kann man natürlich trefflich darüber diskutieren, ob YouTube (oder eher Webvideo im Allgemeinen) tatsächlich eines Tages das Fernsehen ersetzen wird, aber darauf will ich jetzt hier nicht genauer eingehen. Der "Spiegel" geht sogar so weit, die Vernichtung des Fernsehens als klares Ziel des Unternehmens YouTube zu bezeichnen. Klar, dem gelangweilten Wutbürger in Deutschlands Wohnzimmern muss ja immer wieder Anlass gegeben werden, sich aufzuregen und eine neue Apokalypse am Horizont zu erahnen, und sei es nur in Bezug auf ein Medium oder die Art und Weise, wie die "Jugend von heute" ihr Geld verdient ... Passend dazu kann auch der "Spiegel"-Journalist es nicht lassen, ein bisschen in der YouTube-Money-Gerüchteküche rumzuköcheln. Er schreibt: "manch einer verdient [...] mehrere Millionen Dollar jährlich". Ich habe, wie schon angedeutet, keinerlei Überblick über die tatsächlichen Verdienste von YouTubern und sie sind mir auch herzlich egal, aber ich denke doch, dass der Kreis derjenigen, die tatsächlich durch YouTube schon zu Multimillionären geworden sind, sich seeeeehr in Grenzen hält. Ich verstehe ganz allgemein nicht, warum so viel darüber gesprochen wird, wieviel YouTuber vermeintlich verdienen. Manch einer sieht es ja geradezu als verwerflich an, professionelle YouTuber durch das Anschauen ihrer Videos zu unterstützen - "ihnen noch mehr Geld in den Rachen zu werfen" - und behauptet, diese Leute würden aus Nichts oder auch aus Scheiße Gold machen. Gleichzeitig stellt aber niemand infrage, warum so mancher Sportler oder Sänger minderwertiger Liedchen einen Haufen Kohle scheffelt. Das ist doch nur die Angst vor dem Unbekannten, ein Nicht-Hinnehmen-Wollen der Tatsache, dass mit dem Erfolg von YouTube auch eine neue Art des Geldverdienens sich verbreitet hat. Aber ich schweife schon wieder ab, dieses Thema verdient eindeutig einen eigenen Post, den es vielleicht auch eines Tages geben wird.

Weiter im "Spiegel"-Text: Der Autor bezeichnet in der Folge Multi-Channel-Networks als "themenorientierte Kanäle". Das ist ja nun völliger Schwachsinn! Schon der Name Multi Channel Network besagt doch eindeutig, dass es sich hierbei nicht um einen Kanal, sondern vielmehr ein Netzwerk aus vielen verschiedenen Kanälen handelt. Wie kann man das so falsch verstehen? Jeder Mensch, der der englischen Sprache auch nur im minimalsten Maße mächtig ist, sollte merken, dass da was nicht passt. Natürlich ist es wahr, dass es in den allermeisten Fällen die Netzwerke sind, die es YouTubern erlauben, wirklich professionelle Videos zu produzieren, da hat der "Spiegel" schon Recht. In dem Artikel folgen dann Beschreibungen von Studios, die Netzwerke ihren YouTubern zur Verfügung stellen, mit Greenscreens, professionellen Kameraleuten und so weiter und so fort. Aber die Kanäle, die die YouTuber irgendwann einmal gestartet haben und die häufig zu Anfang alles andere als professionell waren, bleiben doch bestehen. Natürlich gibt es Kanäle, die von einem Netzwerk ins Leben gerufen werden und in deren Videos nur YouTuber auftauchen, die bei diesem Netzwerk unter Vertrag sind, aber ohne die vielen einzelnen Kanäle, die über die Jahre gewachsen sind und sich teilweise auch schon ohne gemeinsames Netzwerk über Crosspromo und andere Maßnahmen vergrößert haben, würde es diese netzwerkgeführten Kanäle doch gar nicht geben. Zum Beispiel hätte Mediakraft "Sendertime" doch nie so groß aufziehen können, wenn die YouTuber, die man jetzt in den Videos auf dem Kanal sieht, nicht schon längst vorhanden gewesen wären, um das mal etwas versachlicht auszudrücken. Hier wurde beim "Spiegel" wirklich schlecht recherchiert und gar nicht erst versucht, das System YouTube im Ganzen zu durchschauen. Das ist ja auch nicht einfach, wenn man damit nicht vertraut ist, aber es geht hier ja nicht um superkomplexe Dinge, sondern um ziemlich simple Zusammenhänge wie die Verbindung von YouTubern zu Netzwerken zu YouTube im Ganzen. Ein ähnlich dummes und vermeidbares Missverständnis wie in dem Artikel der besagten Lokalzeitung also.

Im Rest des Artikels geht es zu einem großen Teil darum, dass sich Fernseh-Unternehmen wie Disney oder RTL vermehrt in YouTube-Netzwerke einkaufen, um einen Einfluss auf dieses vermeintlich bedrohliche Medium zu haben. Damit kenne ich mich zu wenig aus, um das beurteilen zu können. Dann kommt aber nochmal ein blöder Fehler. Der Journalist nennt als Beispiel für hochprofessionell hergestellte YouTube-Videos die Show "The Most Popular Girls in Schol" und schreibt, die Produktion habe 800.000 Abonnenten. Nein, lieber "Spiegel", man abonniert auf YouTube keine Shows oder Serien, sondern Kanäle. Natürlich gibt es Kanäle, auf denen nur ein einziges Format vorhanden ist und in diesem Fall heißt der Kanal ja auch "The Most Popular Girls", aber trotzdem ist die gewählte Formulierung falsch, was jedem, der sich auch nur ganz geringfügig mit YouTube auskennt, auffallen wird. Da ist wohl jemand zu sehr aufs Fernsehen und das Bewertungsmodell der Einschaltquoten für einzelne Sendung eingefahren. Was einmal mehr zeigt, wie unflexibel viele Leute sind, die nicht akzeptieren können oder wollen, dass sich die Dinge, insbesondere in der Medien- und Technikwelt, immer wieder und vor allem sehr schnell verändern.

Diese beiden Artikel sind einfach nur zwei aktuelle Beispiele für etwas, das mir schon öfter aufgefallen ist und mir sicher auch in Zukunft noch einige Male auffallen wird. Wie gesagt, ich finde es gut, dass die klassischen Medien YouTube nicht (mehr) ignorieren, aber es ist doch fraglich, ob es für irgendjemanden wirklich positiv ist, wenn dabei sowas rauskommt. Natürlich sind die hier von mir genannten Fehler nicht unglaublich gravierend, aber sie vermitteln doch einen falschen Eindruck von diesem Medium, zumindest für Leser, die sich damit kein bisschen auskennen. Deshalb finde ich: schreibt lieber gar nicht darüber als so einen Mist. Oder recherchiert besser. Oder lasst eure Artikel zumindest nochmal korrekturlesen. Oder am besten beides.
6.1.15 13:08


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung